Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die Wahl der Franchise ist keine Gefühlsentscheidung, sondern eine einfache Rechnung: Liegen Ihre erwarteten Gesundheitskosten unter ca. 1’900 CHF, ist die 2’500er-Franchise fast immer die profitabelste Option.

  • Der Break-Even-Punkt, ab dem die 300er-Franchise günstiger wird, ist der mathematische Schlüssel zur Entscheidung.
  • Eine hohe Franchise erfordert als finanzielle Absicherung zwingend einen Notgroschen von mindestens 3’200 CHF.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihre Arzt- und Medikamentenkosten der letzten 24 Monate, um eine datenbasierte Prognose für das kommende Jahr zu erstellen.

Die jährliche Entscheidung über die Krankenkassen-Franchise fühlt sich für viele gesunde Erwachsene in der Schweiz wie eine Wette an. Soll man die hohe Prämie der 300-Franken-Franchise für ein Gefühl der Sicherheit in Kauf nehmen? Oder wählt man die tiefere Prämie der 2’500-Franken-Franchise und hofft, gesund zu bleiben? Die gängigen Ratschläge basieren oft auf vagen Annahmen über den eigenen Gesundheitszustand und führen zu einer Entscheidung, die mehr vom Bauchgefühl als von Fakten geleitet ist.

Doch dieser Ansatz ignoriert die kalte Logik der Zahlen. Die Wahl der optimalen Franchise ist keine Frage der Gesundheitsprognose, sondern eine rein mathematische Optimierung Ihres finanziellen Risikos. Anstatt auf Ihr Gefühl zu hören, können und sollten Sie Ihre erwarteten Gesundheitskosten wie ein Aktuar berechnen, um die objektiv kostengünstigste Option zu ermitteln. Es geht darum, das Konzept der „Risikoprämie“ – also den Aufpreis für die tiefere Franchise – zu verstehen und gegen die potenzielle Ersparnis abzuwägen.

Dieser Artikel führt Sie durch die exakte Berechnung. Er zeigt Ihnen den mathematischen Break-Even-Punkt auf, quantifiziert das tatsächliche finanzielle Risiko und gibt Ihnen ein klares, zahlenbasiertes Werkzeug an die Hand. Sie werden lernen, die Franchise nicht als Lotterie, sondern als kalkulierbare finanzielle Entscheidung zu betrachten.

Um Ihnen eine klare Struktur für diese Analyse zu bieten, gliedert sich der Artikel in die folgenden Abschnitte. Jeder Teil beleuchtet einen spezifischen Aspekt der Berechnung und Strategie, damit Sie am Ende eine fundierte und für Sie finanziell optimale Entscheidung treffen können.

Warum Sie bei Gesundheitskosten unter 1800 CHF fast immer mit der höchsten Franchise gewinnen?

Die Entscheidung für die höchste Franchise von 2’500 CHF basiert auf einer einfachen mathematischen Überlegung: dem Break-Even-Punkt. Dies ist der Betrag an Gesundheitskosten, bei dem die Gesamtausgaben (Prämien + Kostenbeteiligung) für beide Franchise-Modelle identisch sind. Liegen Ihre tatsächlichen Kosten unter diesem Punkt, ist die 2’500er-Franchise profitabler. Eine Studie der Berner Fachhochschule zeigt, dass sich bei Gesundheitsausgaben von bis zu 1’900 Franken pro Jahr in der Regel eine Franchise von 2’500 Franken lohnt. Erst bei höheren Kosten wird die Minimalfranchise von 300 Franken vorteilhafter.

Um dies zu visualisieren, betrachten wir die jährliche Prämienersparnis, die Sie durch die Wahl der höchsten Franchise erzielen. Diese Ersparnis ist Ihr Puffer. Solange Ihre Arztkosten diesen Puffer nicht überschreiten, machen Sie einen Gewinn. Die exakte Höhe der Ersparnis und damit der Break-Even-Punkt variiert je nach Kanton und Versicherer erheblich.

Detaillierte Checkliste zur Prognose der jährlichen Gesundheitskosten

Die Logik ist simpel: Die jährliche Prämienersparnis muss die zusätzlichen Kosten, die Sie im Krankheitsfall selbst tragen, übersteigen. Die zusätzlichen Kosten bei der 2’500er-Franchise betragen maximal 2’200 CHF (2’500 CHF – 300 CHF). Wenn Ihre jährliche Prämienersparnis also beispielsweise 1’500 CHF beträgt, „subventioniert“ diese Ersparnis bereits einen grossen Teil des potenziellen Risikos.

Die folgende Tabelle illustriert, wie sich die Prämienersparnis und der daraus resultierende Break-Even-Punkt je nach Kanton unterscheiden können. Diese Zahlen sind Richtwerte und verdeutlichen, dass eine pauschale Empfehlung ohne Berücksichtigung des Wohnorts ungenau ist.

Kantonale Unterschiede der Prämienersparnis (Beispielwerte)
Kanton Ersparnis 2500er vs. 300er Franchise Break-Even-Punkt
Zürich 1’380 CHF/Jahr 1’850 CHF
Genf 1’540 CHF/Jahr 2’050 CHF
Uri 1’200 CHF/Jahr 1’650 CHF

Der Schlüssel liegt darin, Ihre persönlichen, erwarteten Gesundheitskosten für das Folgejahr realistisch einzuschätzen. Wenn Sie in den letzten Jahren konstant unter 1’800 CHF an Arzt- und Medikamentenkosten hatten und keine grossen Eingriffe planen, ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass Sie mit der 2’500er-Franchise finanziell besser fahren.

Wie ändern Sie Ihre Franchise online, ohne die Frist im Dezember zu verpassen?

Eine korrekte Berechnung ist nur die halbe Miete. Die Umsetzung erfordert striktes Einhalten der gesetzlichen Fristen. Ein Versäumnis kann dazu führen, dass Sie ein ganzes Jahr lang in einer unvorteilhaften Franchise gefangen sind. Die Fristen für eine Erhöhung und eine Senkung der Franchise sind unterschiedlich und erfordern vorausschauende Planung.

Eine Senkung der Franchise (z.B. von 2’500 auf 300 CHF) für das Folgejahr muss Ihrer Krankenkasse bis zum letzten Arbeitstag im November mitgeteilt werden. Es empfiehlt sich dringend, dies per Einschreiben zu tun, um einen rechtssicheren Nachweis zu haben. Viele Kassen bieten den Wechsel auch im Online-Portal an; erstellen Sie hier unbedingt einen Screenshot als Beleg.

Eine Erhöhung der Franchise (z.B. von 300 auf 2’500 CHF) ist unkomplizierter und kann Ihrer Kasse bis zum letzten Arbeitstag im Dezember gemeldet werden. Auch hier ist die schriftliche Form oder eine bestätigte Meldung über das Kundenportal der sicherste Weg. Diese längere Frist gibt Ihnen mehr Zeit, die Prämienentwicklung abzuwarten und eine finale Entscheidung zu treffen.

Eine strategische Planung über mehrere Jahre kann erhebliche Einsparungen ermöglichen, wie ein Fallbeispiel zeigt.

Zwei-Jahres-Planung bei geplanter Operation

Die Familie Müller aus Bern wusste, dass im Jahr 2025 eine Knieoperation für ein Familienmitglied anstehen würde, mit geschätzten Kosten von 8’000 CHF. Wie eine Analyse im Beobachter aufzeigt, wechselten sie für 2025 strategisch von der 2’500er auf die 300er Franchise. Dadurch reduzierten sie ihre Eigenkostenbeteiligung um Tausende von Franken. Für das darauffolgende Jahr 2026, in dem keine hohen Kosten erwartet wurden, wechselten sie fristgerecht wieder zur 2’500er Franchise zurück und profitierten sofort wieder von den deutlich niedrigeren Prämien.

Dieser Fall illustriert perfekt den aktuarischen Ansatz: Die Franchise wird nicht als statische Grösse, sondern als flexibles Werkzeug zur jährlichen Kostenoptimierung eingesetzt.

300 CHF Franchise: Wann ist die tiefe Variante trotz höherer Prämie die sicherere Wahl?

Obwohl die 2’500er-Franchise für gesunde Personen mathematisch meist vorteilhafter ist, gibt es klare Szenarien, in denen die 300er-Franchise die rationalere und sicherere Wahl darstellt. Dies ist der Fall, wenn die erwarteten Gesundheitskosten den Break-Even-Punkt mit hoher Wahrscheinlichkeit überschreiten. Die höhere Prämie fungiert hier als eine Art Versicherungsprämie gegen hohe Einmalkosten und sorgt für Planbarkeit und einen gleichmässigen Cashflow.

Die Hauptzielgruppe für die 300-Franken-Franchise sind Personen mit chronischen Erkrankungen oder planbaren, teuren Behandlungen. Wer regelmässig Medikamente benötigt, in Therapie ist oder einen operativen Eingriff vor sich hat, wird die Franchise von 300 CHF schnell erreichen. In diesem Fall minimiert die tiefe Franchise die Gesamtjahreskosten, da die Prämienersparnis der hohen Franchise die zusätzlichen Kosten bei weitem nicht decken würde.

Ein entscheidender Faktor ist die maximale finanzielle Belastung. Mit der 2’500er-Franchise tragen Sie im schlimmsten Fall Kosten von bis zu 3’200 CHF pro Jahr selbst. Dieser Betrag setzt sich aus der Franchise (2’500 CHF) und dem maximalen Selbstbehalt von 10% auf die darüber hinausgehenden Kosten (maximal 700 CHF) zusammen. Wie gemäss offiziellen Angaben des Bundes bestätigt wird, ist dies die Obergrenze Ihrer jährlichen Kostenbeteiligung. Für Personen, die diese Summe nicht als Notgroschen zur Verfügung haben oder psychologisch die Sicherheit planbarer Ausgaben bevorzugen, ist die 300er-Franchise die bessere Wahl.

Eine Expertin der Berner Fachhochschule fasst die Situation für eine spezifische Gruppe treffend zusammen:

Für chronisch Kranke bedeutet eine höhere Franchise, dass sie mehr aus eigener Tasche zahlen müssen, ohne dass die Gesundheitsausgaben wirklich gesenkt werden, da ihre Versorgung unerlässlich ist.

– Dr. Ana Cecilia Quiroga Gutierrez, Berner Fachhochschule, Studie zur Franchisenwahl

Zusammenfassend ist die 300-Franken-Franchise die logische Wahl bei hohen, vorhersehbaren Gesundheitskosten oder bei einem starken Bedürfnis nach finanzieller Vorhersehbarkeit ohne das Risiko einer einmaligen hohen Rechnung.

Das Risiko der 2500er Franchise ohne Notgroschen auf dem Konto

Die Wahl der 2’500-Franken-Franchise ist eine strategische Entscheidung zur Minimierung der Fixkosten. Diese Strategie birgt jedoch ein kalkulierbares Risiko: die Möglichkeit einer plötzlichen, hohen Rechnung im Falle eines unerwarteten medizinischen Ereignisses. Die wichtigste Voraussetzung für die Wahl der hohen Franchise ist daher nicht nur eine gute Gesundheit, sondern vor allem eine solide finanzielle Rücklage.

Die maximale jährliche Kostenbeteiligung beläuft sich, wie bereits erwähnt, auf 3’200 CHF (2’500 CHF Franchise plus 700 CHF maximaler Selbstbehalt). Dieser Betrag ist die absolute Risikogrenze. Wer die 2’500er-Franchise wählt, muss in der Lage sein, diese Summe jederzeit ohne finanzielle Schwierigkeiten aufbringen zu können. Aus diesem Grund wird klar empfohlen, dass 3’200 CHF bei einer 2’500er Franchise als Notgroschen auf einem separaten, leicht zugänglichen Konto bereitliegen sollten. Dieser Notgroschen ist keine Empfehlung, sondern eine zwingende Bedingung.

Schweizer Sparbuch mit Münzen symbolisiert Notgroschen für Krankheitskosten

Ohne diesen Puffer verwandelt sich die rationale Sparstrategie in ein gefährliches Glücksspiel. Ein Unfall oder eine plötzliche Erkrankung könnte zu einem finanziellen Engpass oder sogar zur Verschuldung führen. Die monatliche Prämienersparnis wird bedeutungslos, wenn eine einzige Rechnung das Haushaltsbudget sprengt. Der Notgroschen ist die Versicherung für Ihre Versicherungswahl.

Die Entscheidung für die hohe Franchise ist somit untrennbar mit einem verantwortungsvollen Cashflow-Management verbunden. Sehen Sie die monatliche Prämienersparnis nicht als zusätzliches Einkommen, sondern als einen Betrag, den Sie mental oder physisch auf Ihr Notfallkonto überweisen. So bauen Sie den Puffer auf, der die Strategie erst sicher macht. Wenn Sie nicht in der Lage oder bereit sind, diesen Notgroschen zu bilden und zu unterhalten, ist die 300er-Franchise trotz höherer Prämien die für Sie sicherere und somit rationalere Option.

Sollten Sie für Ihre Kinder eine Franchise von 0 oder 600 CHF wählen?

Bei Kindern stellt sich die Frage der Franchise anders als bei Erwachsenen. Die Prämienunterschiede sind geringer, und die Gesundheitskosten, besonders in den ersten Lebensjahren, können unvorhersehbar sein. Die wählbaren Franchisen für Kinder sind in der Regel 0 CHF (die gesetzliche Mindestfranchise) bis zu einem Maximum von 600 CHF.

Die mathematische Logik bleibt dieselbe: Man vergleicht die jährliche Prämienersparnis mit den potenziellen Mehrkosten. Die Prämienersparnis bei der Wahl der 600-Franken-Franchise ist jedoch oft marginal und beträgt häufig nur zwischen 10 und 15 CHF pro Monat, also 120 bis 180 CHF pro Jahr. Laut Berechnungen der KPT Krankenkasse lohnt sich die 600er-Franchise für Kinder erst bei Gesundheitskosten, die konstant unter 200 bis 300 CHF pro Jahr liegen. Dies ist selten der Fall.

Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern sind regelmässige Besuche beim Kinderarzt für Kontrollen, Impfungen und kleinere Krankheiten die Norm. Die Kosten dafür übersteigen schnell die Schwelle von 300 CHF pro Jahr. In diesen Fällen ist die Franchise von 0 CHF fast immer die kostengünstigste und unkomplizierteste Wahl. Sie vermeiden das Sammeln von Rechnungen und haben eine klare Kostensituation.

Die folgende Übersicht zeigt eine typische Kosten-Nutzen-Analyse für Kinderfranchisen.

Vergleich Kinder-Franchisen und typische Kosten
Franchise Monatliche Ersparnis (ca.) Typische Kinderarztkosten/Jahr Empfehlung
0 CHF Basis 800-1500 CHF Für Kleinkinder und chronisch kranke Kinder ideal
600 CHF 10-15 CHF unter 300 CHF Nur für sehr gesunde Teenager ohne absehbare Behandlungen

Eine Franchise von 600 CHF kann allenfalls für ältere, nachweislich sehr gesunde Teenager in Betracht gezogen werden, die selten einen Arzt benötigen. Sobald jedoch eine kieferorthopädische Abklärung, eine Sportverletzung oder eine andere geplante Behandlung absehbar ist, ist ein sofortiger Wechsel zurück zur 0-Franken-Franchise ratsam. Angesichts der geringen Ersparnis bietet die 0-Franken-Franchise für Kinder meist das beste Verhältnis von Kosten zu Sicherheit und administrativem Aufwand.

Wie kombinieren Sie die günstigste Grundversicherung mit der besten Zusatzversicherung bei zwei Anbietern?

Die Optimierung Ihrer Versicherungskosten endet nicht bei der Wahl der Franchise. Ein wesentlicher Hebel, der oft übersehen wird, ist das sogenannte „Splitting“: der Abschluss der obligatorischen Grundversicherung (OKP) und der freiwilligen Zusatzversicherungen (VVG) bei zwei unterschiedlichen Anbietern. Da in der Schweiz Vertragsfreiheit herrscht, können Sie den günstigsten Anbieter für die OKP wählen und gleichzeitig den Anbieter mit den besten Leistungen für Ihre spezifischen Bedürfnisse bei den Zusatzversicherungen.

Diese Trennung ist fast immer finanziell vorteilhaft, da die Kasse mit der billigsten Grundversicherungsprämie selten die besten Konditionen für Zusatzversicherungen wie Halbprivat-Spitaldeckung, Alternativmedizin oder Zahnbehandlungen bietet. Das Splitting erfordert jedoch eine saubere administrative Koordination, um im Leistungsfall keine Probleme zu bekommen.

Checkliste: Grund- und Zusatzversicherung bei zwei Anbietern koordinieren

  1. Dokumenten-Management: Legen Sie für jeden Versicherer einen separaten Ordner an (physisch oder digital), um den Überblick über Policen, Abrechnungen und Korrespondenz zu behalten.
  2. Kündigungsfristen beachten: Die Fristen sind unterschiedlich! Zusatzversicherungen haben oft eine längere Kündigungsfrist (häufig bis 30.09.), während die Grundversicherung bis zum 30.11. gekündigt werden kann. Prüfen Sie Ihre Policen genau.
  3. Kombirabatte prüfen: Stellen Sie sicher, dass keine bestehenden Rabatte an die Kombination beider Versicherungen beim selben Anbieter gekoppelt sind. Ein Wechsel könnte einen solchen Rabatt aufheben.
  4. Vorgehen im Leistungsfall: Reichen Sie Arztrechnungen, die die Grundversicherung betreffen, immer zuerst beim Grundversicherer ein. Nachdem Sie dessen Leistungsabrechnung erhalten haben, senden Sie eine Kopie der Originalrechnung zusammen mit der Abrechnung an Ihren Zusatzversicherer für allfällige Restkosten.
  5. Jährliche Prüfung: Evaluieren Sie jedes Jahr im Herbst beide Verträge separat. Vergleichen Sie sowohl die Prämie der Grundversicherung als auch das Preis-Leistungs-Verhältnis Ihrer Zusatzversicherungen aufs Neue.

Spitalaufenthalt mit zwei Versicherern

Herr Weber aus Zürich hatte einen geplanten Spitalaufenthalt mit Gesamtkosten von 12’000 CHF. Seine günstige Grundversicherung bei der CSS deckte die Kosten für die allgemeine Abteilung. Seine Zusatzversicherung „Spital halbprivat“ bei der Helsana übernahm die Mehrkosten für das Upgrade. Der Prozess funktionierte reibungslos: Die Originalrechnung des Spitals ging direkt an die CSS. Nach deren Abrechnung reichte Herr Weber eine Kopie dieser Abrechnung zusammen mit der Rechnungskopie bei der Helsana ein, welche die Differenz übernahm.

Das Splitting erfordert etwas mehr Disziplin, maximiert aber Ihr Sparpotenzial, indem es Ihnen erlaubt, aus dem gesamten Schweizer Markt die jeweils beste Lösung für jeden Bereich auszuwählen.

Wie reichen Sie Rückforderungsbelege korrekt ein, um Verzögerungen bei der Auszahlung zu vermeiden?

Die effiziente Rückforderung von Kosten ist ein entscheidender Teil des Cashflow-Managements, besonders wenn Sie die Rechnungen zuerst selbst bezahlen (System „Tiers garant“). Fehler bei der Einreichung führen oft zu ärgerlichen Verzögerungen oder Rückfragen seitens der Krankenkasse. Ein korrekter Prozess stellt sicher, dass Sie Ihr Geld schnellstmöglich zurückerhalten.

Der häufigste Fehler ist eine unvollständige oder schlecht lesbare Rechnung. Prüfen Sie vor dem Einreichen immer, ob alle Angaben, insbesondere die Zahlstellenregisternummer (ZSR-Nummer) des Leistungserbringers (Arzt, Therapeut), klar ersichtlich sind. Ohne diese Nummer kann die Kasse die Rechnung nicht zuordnen. Bei digitalen Einreichungen via App oder Portal sollten Sie sicherstellen, dass der Scan oder das Foto von hoher Qualität und ohne Schatten ist.

Ein weiterer Fallstrick ist die Einreichung von Kopien statt Originalen bei postalischer Sendung. Wenn Sie den Postweg wählen, verlangt die Kasse in der Regel das Originaldokument. Bei digitaler Einreichung ist es umgekehrt: Sie behalten das Original und laden die digitale Kopie hoch. Achten Sie zudem darauf, das offizielle Rückforderungsformular der Kasse vollständig auszufüllen und zu unterschreiben – eine fehlende Unterschrift ist ein häufiger Grund für Verzögerungen.

Ihre Franchise-Wahl sollte auch Ihre Einreichungsstrategie beeinflussen. Bei einer 300-Franken-Franchise ist es sinnvoll, jeden Beleg sofort einzureichen. So erreichen Sie die Franchise schneller und erhalten die Rückerstattungen (abzüglich Selbstbehalt) laufend, was Ihren Cashflow verbessert. Bei der 2’500-Franken-Franchise hingegen ist es oft effizienter, alle kleineren Belege über das Jahr zu sammeln. Reichen Sie diese erst dann gebündelt ein, wenn die Gesamtsumme die Franchise übersteigt. So sparen Sie sich den administrativen Aufwand für Kleinbeträge, die Sie ohnehin vollständig selbst tragen müssten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Break-Even-Punkt (meist bei ca. 1’900 CHF Kosten) ist die mathematische Grundlage für Ihre Franchise-Wahl.
  • Die 2’500er-Franchise ist eine finanzielle Strategie, die einen Notgroschen von mindestens 3’200 CHF zwingend voraussetzt.
  • Die Franchise sollte jährlich basierend auf erwarteten Kosten und den neuen Prämien überprüft und strategisch angepasst werden.

Warum Sie bei Gesundheitskosten unter 1800 CHF fast immer mit der höchsten Franchise gewinnen?

Die Analyse der verschiedenen Aspekte führt uns zu einer klaren Schlussfolgerung: Die Wahl der Krankenkassen-Franchise sollte ein kalter, kalkulierter Entscheid sein, frei von Emotionen und vagen Ängsten. Anstatt sich zu fragen „Was, wenn etwas passiert?“, lautet die richtige, aktuarische Frage: „Was ist die statistisch wahrscheinlichste und finanziell rentabelste Option für meine Situation?“.

Der Kern der Strategie liegt in drei Schritten. Erstens, der ehrlichen Analyse Ihrer Gesundheitskosten der letzten 24 bis 36 Monate. Dies gibt Ihnen eine solide Datenbasis für eine Prognose. Zweitens, der Berechnung Ihres persönlichen Break-Even-Punktes, indem Sie die jährliche Prämienersparnis der 2’500er-Franchise den 2’200 CHF an zusätzlichen potenziellen Kosten gegenüberstellen. Drittens, der Überprüfung Ihres finanziellen Risikomanagements: Ist der Notgroschen von 3’200 CHF vorhanden und verfügbar? Nur wenn dieser Puffer existiert, ist die hohe Franchise eine tragfähige Strategie.

Diese mathematische Herangehensweise entmystifiziert die Franchise-Wahl. Sie macht sie zu einem Werkzeug, das Sie aktiv zur Gestaltung Ihrer Finanzen nutzen können. Anstatt ein passiver Prämienzahler zu sein, werden Sie zum aktiven Manager Ihrer Gesundheitsausgaben. Sie verstehen, dass die höhere Prämie der 300er-Franchise eine „Risikoprämie“ ist, die nur dann gerechtfertigt ist, wenn Sie mit hoher Sicherheit wissen, dass Ihre Kosten den Break-Even-Punkt übersteigen werden.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Belege der letzten zwei Jahre zusammenzustellen und wenden Sie die hier beschriebene Berechnung an. So treffen Sie für das kommende Versicherungsjahr eine Entscheidung, die nicht auf Hoffnung, sondern auf Fakten basiert.

Häufige Fragen zu Tiers payant vs. Tiers garant

Was ist der Unterschied zwischen Tiers payant und Tiers garant?

Bei Tiers payant sendet der Arzt die Rechnung direkt an die Krankenkasse, Sie erhalten nur eine Rechnung über Ihre Kostenbeteiligung (Franchise und Selbstbehalt). Bei Tiers garant bezahlen Sie die Rechnung des Arztes zuerst vollständig selbst und reichen den Beleg anschliessend bei der Krankenkasse zur Rückforderung ein.

Wie aktiviere ich Tiers payant in der Apotheke?

Zeigen Sie in der Apotheke Ihre Versichertenkarte vor und fragen Sie aktiv nach der direkten Abrechnung mit der Krankenkasse. Die meisten Apotheken in der Schweiz bieten diesen Service standardmässig an, insbesondere für rezeptpflichtige Medikamente.

Welche Dokumente brauche ich für die Rückforderung?

Für eine Rückforderung im System Tiers garant benötigen Sie die Originalrechnung des Leistungserbringers mit klar lesbarer ZSR-Nummer, das vollständig ausgefüllte und unterschriebene Rückforderungsformular Ihrer Krankenkasse und bei Medikamenten oft eine Kopie des ärztlichen Rezepts.

Geschrieben von Thomas Aebischer, Unabhängiger Finanzplaner mit eidg. Fachausweis und Experte für private Vorsorge. Über 20 Jahre Erfahrung in der Banken- und Versicherungswelt mit Fokus auf Säule 3a und Steueroptimierung.