Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Der frühere «Goldstandard» von 5 Millionen Franken Deckung ist heute durch die unsichtbare Kostenexplosion bei Personenschäden zu einem kritischen Wagnis geworden.

  • Die Kosten für lebenslange Renten nach Unfällen übersteigen durch die hohe Lebenserwartung und tiefe Zinsen in der Schweiz schnell mehrere Millionen.
  • Die Wahrscheinlichkeit eines Grossschadens ist gering, doch die finanzielle Konsequenz – die lebenslange Pfändung des Einkommens – ist existenzbedrohend.

Empfehlung: Analysieren Sie Ihr persönliches Risikoprofil. Für die meisten Haushalte ist eine Erhöhung auf 10 Millionen Franken die logische und kostengünstige Modernisierung ihrer finanziellen Sicherheitsarchitektur.

Sie gehören zu den vorausschauenden Menschen in der Schweiz. Vor rund zehn Jahren haben Sie eine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen, wahrscheinlich mit einer Deckungssumme von 5 Millionen Franken – damals eine absolut vernünftige und solide Wahl. Seitdem liegt die Police im Ordner, und Sie fühlen sich sicher. Doch ist diese Sicherheit nur ein Gefühl oder noch Realität? Die Landschaft der Haftungsrisiken hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert, leise und oft unbemerkt. Während die Prämie für Ihre Police stabil blieb, sind die potenziellen Kosten eines schweren Personenschadens – die sogenannte «Risiko-Inflation» – explodiert.

Die meisten Ratgeber wiederholen die alte Weisheit, dass 5 Millionen ausreichen, da Grossschäden selten sind. Doch als Sicherheits-Analyst muss man die Frage anders stellen: Nicht *wie wahrscheinlich* ist der Extremfall, sondern *was passiert, wenn* er eintritt? Es geht nicht mehr nur um den zerbrochenen Fernseher eines Freundes, sondern um Szenarien, die durch moderne Medizin, eine höhere Lebenserwartung in der Schweiz und globalisierte Lebensstile (wie Reisen in die USA) heute Kosten von weit über 5 Millionen Franken verursachen können. Ein Festhalten an der veralteten Deckungssumme ist kein Zeichen von Sparsamkeit, sondern ein unbewusstes, kalkuliertes Wagnis mit Ihrem gesamten zukünftigen Vermögen.

Dieser Artikel durchbricht die veralteten Annahmen. Wir analysieren nicht, *ob* Sie eine Versicherung brauchen, sondern *warum* Ihre bestehende Deckung möglicherweise nicht mehr die «Vermögens-Firewall» ist, für die Sie sie halten. Wir tauchen tief in die Treiber der Kostenexplosion ein, entmystifizieren das Preis-Leistungs-Verhältnis höherer Summen und zeigen Ihnen, wie Sie Ihr Risiko für die heutige Zeit korrekt bewerten, um eine bewusste und moderne Entscheidung zu treffen.

Der folgende Artikel führt Sie systematisch durch die wichtigsten Aspekte, die Sie bei der Neubewertung Ihrer Haftpflichtdeckung berücksichtigen sollten. Vom Verständnis der Kostentreiber bis hin zur konkreten Berechnung Ihres persönlichen Bedarfs erhalten Sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

Warum sind die Kosten für Pflege und Lohnausfall in den letzten 20 Jahren explodiert?

Der Hauptgrund, warum eine Deckungssumme von 5 Millionen Franken heute hinterfragt werden muss, liegt in der stillen Explosion der Kosten bei schweren Personenschäden. Dieses Phänomen, oft als Risiko-Inflation bezeichnet, wird von drei zentralen Schweizer Realitäten angetrieben. Erstens, die medizinische Versorgung ist exzellent, aber teuer. Eine Notfallbehandlung und Rehabilitation können schnell Hunderttausende Franken kosten. Zweitens, die Lebenserwartung in der Schweiz ist eine der höchsten der Welt. Eine Person, die heute einen Unfall erleidet, benötigt potenziell über Jahrzehnte Pflege und finanzielle Unterstützung.

Drittens, und das ist der entscheidende finanzielle Hebel, ist das Zinsniveau in der Schweiz seit Jahren extrem tief. Wenn eine Versicherung eine lebenslange Rente für einen Geschädigten kapitalisieren muss, benötigt sie bei tiefen Zinsen einen viel höheren Kapitalstock, um die zukünftigen Zahlungen zu garantieren. Diese Kombination ist toxisch für alte Deckungssummen.

Visualisierung der steigenden Kosten für Pflege und Lohnausfall in einem stilisierten Schweizer Spitalkorridor.

Ein konkretes Fallbeispiel verdeutlicht die Dimension: Eine Studie zur Berechnung einer lebenslangen Rente nach Schweizer Recht zeigt, dass bei einem 30-jährigen Ingenieur mit schwerer Behinderung der Kapitalwert einer solchen Rente schnell 2,5 Millionen Franken überschreiten kann. Rechnet man Spital- und Anwaltskosten hinzu, ist die 3-Millionen-Grenze schnell erreicht und die 5-Millionen-Marke rückt in bedrohliche Nähe. Ihre vor 10 Jahren abgeschlossene Police wurde in einer anderen Zins- und Kostenwelt kalkuliert.

Welche Garantiesumme verlangen US-Vermieter oft als Minimum für Mieter?

Die Risiko-Inflation ist nicht das einzige neue Phänomen. Die Haftungs-Globalisierung, also die Tatsache, dass wir immer häufiger mit ausländischen Rechtssystemen in Berührung kommen, stellt eine weitere Herausforderung für veraltete Deckungssummen dar. Das prominenteste Beispiel sind die USA. Ein längerer Aufenthalt, sei es für ein Studium, ein Sabbatical oder eine Projektarbeit, konfrontiert Sie mit einem fundamental anderen Haftungsrecht.

Während das Schweizer Obligationenrecht (OR Art. 41) primär darauf abzielt, den tatsächlich entstandenen Schaden zu ersetzen, kennt das US-amerikanische «Tort Law» zusätzlich die sogenannten «punitive damages». Dies sind Strafzahlungen, die den Schädiger für sein Verhalten bestrafen sollen und die den eigentlichen Schaden um ein Vielfaches übersteigen können. Aus diesem Grund verlangen viele US-Vermieter oder Bildungsinstitutionen von ausländischen Mietern oder Studenten den Nachweis einer Haftpflichtversicherung mit einer Deckung von mindestens 1 Million US-Dollar. Ihre 5 Millionen CHF Deckung mag auf den ersten Blick ausreichen, doch die Versicherungsbestätigung muss explizit in Englisch vorliegen und den US-Anforderungen genügen.

Die folgende Tabelle verdeutlicht die fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Rechtssystemen und zeigt, warum eine Schweizer Standarddeckung in den USA schnell an ihre Grenzen stösst.

Vergleich des Haftpflichtrechts: Schweiz vs. USA
Aspekt Schweiz (OR Art. 41) USA (Tort Law)
Schadensersatz Nur tatsächlicher Schaden Tatsächlicher Schaden + Strafschadensersatz (Punitive Damages)
Typische Forderungen 100’000 – 5 Mio. CHF 1 – 50 Mio. USD
Strafschadensersatz Nicht existent Bis zum 3-fachen der Schadenshöhe und mehr
Mindestdeckung für Mieter Meist 5 Mio. CHF empfohlen Oft 1 Mio. USD als Minimum gefordert

Auch wenn die meisten Schweizer Versicherungen „punitive damages“ ausschliessen, decken sie dennoch die extrem hohen Forderungen für den tatsächlichen Schaden, die in den USA üblich sind. Eine Reise in die USA ist somit ein Lackmustest für Ihre Police: Sie macht die potenziellen Lücken einer veralteten Deckungssumme sofort sichtbar.

3 Mio. vs. 10 Mio.: Warum kostet die Verdoppelung der Sicherheit nur 5 Franken mehr?

Die logische Frage, die sich nun stellt, ist: Wenn das Risiko so stark gestiegen ist, warum ist die Erhöhung der Deckungssumme von beispielsweise 5 auf 10 Millionen Franken oft überraschend günstig – manchmal nur 5 bis 10 Franken pro Jahr mehr? Die Antwort liegt im fundamentalen Prinzip des Versicherungskollektivs. Die überwältigende Mehrheit aller Haftpflichtschäden sind Kleinschäden. Grosse Schäden im Millionenbereich sind extrem selten.

Statistiken zeigen, dass nur 0,01 % aller Haftpflichtschäden eine Summe von 3 Millionen Franken übersteigen. Die Wahrscheinlichkeit eines Schadens zwischen 5 und 10 Millionen ist nochmals exponentiell geringer. Für die Versicherung ist das Risiko, einen solchen Schaden decken zu müssen, mathematisch sehr klein. Die geringen Mehrkosten für diese immense zusätzliche Sicherheit werden auf die grosse Gemeinschaft aller Versicherten verteilt.

Man kann es sich wie eine Brandschutzmauer vorstellen. Die erste, grundlegende Mauer (bis 5 Mio.) ist am teuersten, da sie das wahrscheinlichste Risiko abdeckt. Jede weitere Erhöhung ist wie das Hinzufügen einer zusätzlichen Schutzschicht für ein immer unwahrscheinlicheres, aber katastrophaleres Ereignis. Die Baloise Versicherung erklärt dieses Versicherungskollektiv-Prinzip so, dass die marginale Risikoprämie für den Schutz vor dem existenzbedrohenden Grossschaden für den Einzelnen kaum ins Gewicht fällt, aber im Kollektiv eine massive Sicherheitsverbesserung darstellt.

Die geringe Preisdifferenz ist daher kein Marketingtrick, sondern die faire Abbildung eines asymmetrischen Risikos: Sie zahlen einen winzigen Betrag, um sich vor einem finanziellen Ruin zu schützen. Es ist eine der effizientesten Investitionen in die eigene finanzielle Sicherheit, die man tätigen kann.

Hohe Summe oder tiefer Selbstbehalt: Wo sollten Sie das Geld investieren?

Bei der Optimierung einer Versicherungspolice stehen Versicherungsnehmer oft vor der Wahl: Soll ich die Prämie senken, indem ich einen höheren Selbstbehalt wähle, oder soll ich das Geld in eine höhere Deckungssumme investieren? Aus der Perspektive eines Sicherheits-Analysten ist die Antwort eindeutig: Priorisieren Sie immer die Abdeckung des katastrophalen Risikos, also eine hohe Deckungssumme.

Der Grund dafür liegt in der fundamentalen Natur der beiden Risiken. Ein Selbstbehalt von 200, 500 oder sogar 1’000 Franken ist ein kalkulierbares, überschaubares Risiko. Im schlimmsten Fall müssen Sie diesen Betrag aus Ihren Ersparnissen bezahlen. Es ist unangenehm, aber nicht existenzbedrohend. Eine Deckungslücke von einer oder mehreren Millionen Franken hingegen ist ein unkalkulierbares Risiko, das den Privatkonkurs bedeutet und Ihr gesamtes finanzielles Leben über Jahrzehnte hinweg zerstört.

Wie die AXA Versicherung treffend verdeutlicht, ist ein Selbstbehalt von 500 Franken ein kalkulierbares Risiko, eine Deckungslücke von mehreren Millionen bedeutet den Privatkonkurs. Das Geld, das Sie durch einen höheren Selbstbehalt sparen, steht in keinem Verhältnis zu dem finanziellen Abgrund, der sich bei einem nicht gedeckten Grossschaden auftut. Die Prämie für eine Verdoppelung der Deckungssumme von 5 auf 10 Millionen ist oft geringer als die Ersparnis durch einen hohen Selbstbehalt.

Die strategisch kluge Entscheidung ist daher, einen Selbstbehalt zu wählen, den Sie im Notfall problemlos tragen können (z.B. 200 oder 300 Franken), und das frei werdende Budget – und die wenigen zusätzlichen Franken – in die Maximierung der Deckungssumme zu investieren. Dies ist die effizienteste Art, Ihre persönliche «Vermögens-Firewall» zu errichten.

Gibt es eine Unterversicherung bei der Haftpflichtsumme wie beim Hausrat?

Dies ist ein entscheidender Punkt, der oft zu Missverständnissen führt. Viele Versicherungsnehmer kennen das Prinzip der Unterversicherung von der Hausratversicherung: Wenn der Wert des Hausrats mit 80’000 Franken versichert ist, aber tatsächlich 100’000 Franken wert ist (also eine Unterdeckung von 20% vorliegt), kürzt die Versicherung bei einem Schaden von 10’000 Franken die Leistung ebenfalls um 20% auf 8’000 Franken. Bei der Privathaftpflichtversicherung existiert dieses Prinzip der prozentualen Kürzung nicht.

Die Deckungssumme in der Haftpflichtversicherung ist eine absolute Obergrenze. Die Versicherung zahlt bis zum vereinbarten Maximum, und keinen Rappen mehr. Übersteigt der Schaden diese Summe, haften Sie für die Differenz unbeschränkt mit Ihrem gesamten gegenwärtigen und zukünftigen Privatvermögen. Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) formuliert es unmissverständlich:

Bei der Haftpflicht gibt es keine Kürzung: Die Versicherung zahlt bis zum Maximum, für den Rest haften Sie unbeschränkt mit Ihrem gesamten Privatvermögen.

– Schweizerischer Versicherungsverband, Merkblatt Haftpflichtversicherung

Ein Fallbeispiel der Mobiliar Versicherung illustriert die brutale Konsequenz: Verursachen Sie einen Schaden von 6 Millionen Franken und Ihre Police hat eine Deckung von 5 Millionen, zahlt die Versicherung die vollen 5 Millionen. Für die restliche 1 Million Franken (plus Zinsen und Verfahrenskosten) haften Sie persönlich. Dies führt direkt zur Lohnpfändung und zum Privatkonkurs. Die Wahl der Deckungssumme ist also keine Schätzung, sondern die Definition Ihrer persönlichen finanziellen «Reissleine».

Wie schnell summieren sich Spital- und Rentenkosten auf über 3 Millionen Franken?

Abstrakte Zahlen wie 5 oder 10 Millionen sind schwer greifbar. Ein konkretes, realistisches Szenario aus der Schweiz zeigt jedoch, wie schnell diese Summen im Ernstfall erreicht werden. Stellen Sie sich einen scheinbar harmlosen Moment vor: Ein von Ihnen betreutes Kind verursacht unachtsam einen schweren Velounfall, bei dem eine Person eine Paraplegie (Querschnittslähmung) erleidet.

Die Kosten beginnen sofort zu laufen und summieren sich erschreckend schnell:

  • Notfalloperation und Erstversorgung: ca. 100’000 CHF
  • Intensive Rehabilitation: ca. 250’000 CHF
  • Lohnausfall der Eltern für Betreuung: ca. 200’000 CHF
  • Lebenslange Pflegerente (kapitalisiert): ca. 2’500’000 CHF

Allein diese Posten summieren sich bereits auf über 3 Millionen Franken. Hinzu kommen Kosten für den Umbau der Wohnung des Geschädigten, spezielle Fahrzeuge, Anwalts- und Gerichtskosten. Und falls der Rechtsstreit andauert, kann der Zinseszinseffekt die ursprüngliche Schadenssumme um bis zu 25% erhöhen.

Symbolische Darstellung von aufgetürmten Schweizer Franken Münzen, die die Akkumulation von Kosten bei einem schweren Unfall visualisieren.

Die 5-Millionen-Grenze ist in einem solchen Szenario keine ferne Theorie mehr, sondern eine reale Bedrohung. Das Beispiel zeigt, dass es nicht um exotische Risiken geht, sondern um alltägliche Situationen, die durch eine unglückliche Verkettung von Umständen zu einer finanziellen Katastrophe führen können. Die Deckungssumme Ihrer Haftpflicht ist die einzige Firewall, die zwischen einem solchen Ereignis und Ihrem finanziellen Ruin steht.

Wie berechnen Sie die Deckungssumme von 5 oder 10 Millionen CHF korrekt für Ihr Risiko?

Nachdem die abstrakten Risiken nun klarer sind, geht es an die konkrete Bewertung Ihrer persönlichen Situation. Nicht jeder benötigt die gleiche Deckungssumme. Ihr individuelles Risikoprofil ist entscheidend. Faktoren wie Ihre Familiensituation, Ihr Lebensstil, Ihr Beruf und Ihre Hobbys beeinflussen das potenzielle Schadenrisiko erheblich. Eine Familie mit kleinen Kindern und einem Hund hat statistisch ein höheres Risiko, einen Schaden zu verursachen, als eine alleinstehende Person.

Genauso erhöht der Besitz von Immobilien (z.B. als Vermieter) oder die Nutzung moderner Technologien wie Drohnen das Haftungspotenzial. Und wie bereits diskutiert, sind regelmässige Reisen in Länder mit einem anderen Rechtssystem, insbesondere die USA, ein massiver Risikofaktor. Um eine erste, fundierte Einschätzung vorzunehmen, können Sie eine einfache Risikoanalyse durchführen.

Die folgende Checkliste, inspiriert von Modellen wie dem der CSS Versicherung, hilft Ihnen, Ihr persönliches Risikoprofil zu bewerten und den Bedarf für eine höhere Deckungssumme zu ermitteln. Seien Sie bei der Beantwortung ehrlich zu sich selbst.

Ihr persönlicher Risiko-Check: Brauchen Sie 10 Millionen Deckung?

  1. Familiensituation: Haben Sie Kinder unter 18 Jahren im Haushalt? (Ja: +3 Punkte)
  2. Haustiere: Besitzen Sie Haustiere, insbesondere Hunde? (Ja: +1 Punkt)
  3. Reiseverhalten: Reisen Sie mindestens alle zwei Jahre in die USA oder nach Kanada? (Ja: +5 Punkte)
  4. Immobilienbesitz: Sind Sie Eigentümer von selbst- oder fremdgenutzten Immobilien (Stockwerkeigentum, Einfamilienhaus)? (Ja: +2 Punkte)
  5. Hobbys & Aktivitäten: Betreiben Sie risikoreiche Hobbys oder nutzen Sie Geräte wie Drohnen? (Ja: +2 Punkte)

Auswertung: Wenn Ihre Gesamtpunktzahl 8 Punkte oder mehr erreicht, wird eine Deckungssumme von 10 Millionen Franken dringend empfohlen. Bei 5-7 Punkten ist sie eine stark zu prüfende Option.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die traditionelle 5-Millionen-Deckung ist durch gestiegene Kosten für Pflege und Lohnausfall zu einem Relikt geworden.
  • Eine unzureichende Deckung führt nicht zu einer Leistungskürzung, sondern zur unbeschränkten persönlichen Haftung für die Differenz.
  • Die Erhöhung auf 10 Millionen ist aufgrund des Kollektivprinzips überraschend günstig und eine der effizientesten Investitionen in Ihre finanzielle Sicherheit.

Wie schützen Sie Ihr zukünftiges Einkommen vor Pfändung nach einem schweren Unfall?

Letztlich läuft die gesamte Diskussion auf eine einzige, entscheidende Frage hinaus: Was passiert mit Ihnen und Ihrer Familie, wenn der schlimmste Fall eintritt und die Schadensumme Ihre Versicherungsdeckung übersteigt? Die Antwort ist im Schweizer Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) geregelt und heisst: Lohnpfändung. Dies ist die ultimative Konsequenz einer unzureichenden Deckungssumme und der Grund, warum eine moderne Police eine echte «Vermögens-Firewall» sein muss.

Bei einer Lohnpfändung wird Ihr monatliches Einkommen auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum reduziert. Alles, was Sie darüber hinaus verdienen – inklusive 13. Monatslohn, Boni oder andere Zusatzeinkünfte – wird direkt an die Gläubiger abgeführt. Das Existenzminimum ist extrem niedrig angesetzt; für eine Einzelperson in Zürich liegt es bei etwa 1’200 CHF. Das bedeutet, dass Ihr Lebensstandard radikal beschnitten wird.

Das wirklich Dramatische ist jedoch die Dauer. Bei einer ungedeckten Schuld von «nur» einer Million Franken kann die Tortur ein Leben lang dauern. Eine Analyse der Gerichte Zürich zeigt die schockierende Realität: Bei einer Schuld von 1 Million CHF und einem pfändbaren Monatseinkommen von 2’000 CHF dauert die Lohnpfändung über 40 Jahre. Das bedeutet, dass Sie bis weit über Ihr Pensionsalter hinaus für einen einzigen Fehler in der Vergangenheit bezahlen.

Die Entscheidung für eine ausreichend hohe Deckungssumme ist somit keine reine Versicherungsfrage. Es ist eine strategische Entscheidung zum Schutz Ihrer gesamten Lebensleistung und Ihrer finanziellen Zukunft. Die wenigen Franken Mehrprämie pro Jahr sind der Preis für die Garantie, dass ein einziger schlechter Moment nicht Ihr gesamtes Leben und das Ihrer Familie ruiniert.

Ihre alte Police war eine gute Entscheidung für die damalige Zeit. Die heutige Realität erfordert jedoch eine neue Bewertung. Der nächste logische Schritt ist, Ihre aktuelle Police zu überprüfen und mit Ihrem Berater oder direkt online eine Offerte für eine erhöhte Deckungssumme auf 10 Millionen Franken einzuholen, um Ihre finanzielle Zukunft proaktiv zu sichern.

Geschrieben von Claudia Zürcher, Versicherungsfachfrau VBV und ehemalige Schadensinspektorin. Expertin für Sachversicherungen, Privathaftpflicht und Hausrat mit Fokus auf Schadensabwicklung.