
Entgegen der landläufigen Meinung ist die Lebensversicherung heute weniger ein Rendite-Produkt, sondern vielmehr ein mächtiges Instrument für garantierte Spardisziplin und rechtlichen Schutz.
- Die vertragliche Verpflichtung fördert eine konsequentere Sparleistung als ein frei verfügbares Bankkonto.
- Der sogenannte „Versicherungsmantel“ bietet einzigartigen Schutz, der über die reine Kapitalbildung hinausgeht, etwa bei Erwerbsunfähigkeit oder im Konkursfall.
Empfehlung: Prüfen Sie eine Police nicht primär nach ihrer Rendite, sondern danach, ob ihre Struktur und Garantien zu Ihrer persönlichen Risikotoleranz und Ihren langfristigen Sparzielen passen.
Die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Kapitallebensversicherung wird in der Schweiz hitzig diskutiert. Angesichts historisch tiefer Zinsen auf Sparkonten und der gleichzeitig spürbaren Volatilität an den Aktienmärkten suchen viele sicherheitsorientierte Sparer nach verlässlichen Wegen für ihre Vorsorge. Schnell fällt der Blick auf die Lebensversicherung, ein traditionelles Produkt, das jedoch oft mit einem Stempel versehen wird: zu teuer, zu unflexibel, zu renditeschwach. Die meisten Ratschläge gipfeln in der Empfehlung, das Sparen für die Säule 3b oder 3a doch lieber über ein Bankkonto oder ein Wertschriftendepot zu organisieren.
Diese Perspektive ist verständlich, greift aber oft zu kurz. Sie bewertet die Police ausschliesslich als Anlageinstrument und vergleicht sie mit reinen Renditeprodukten. Doch was wäre, wenn der wahre Wert einer Lebensversicherung gar nicht in der Maximierung des Profits liegt? Was, wenn wir sie als das betrachten, was sie im Kern ist: ein strukturiertes Sparinstrument mit eingebauter Disziplin und einem robusten Risikomanagement. Der oft kritisierte „Versicherungsmantel“ ist nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein Paket aus Garantien, rechtlichen Privilegien und Schutzmechanismen, die ein Bankkonto nicht bieten kann.
Der entscheidende Perspektivwechsel besteht darin, die Nachteile der mangelnden Flexibilität als Vorteil der vertraglichen Spardisziplin zu begreifen. Für viele Menschen ist genau diese Hürde, nicht einfach auf das Ersparte zugreifen zu können, der Garant dafür, dass das Vorsorgeziel überhaupt erreicht wird. Dieser Artikel zielt darauf ab, eine abwägende und kritische Bewertung vorzunehmen. Wir analysieren, für wen sich die Kosten dieses strukturierten Rahmens lohnen und welche nicht-finanziellen Vorteile oft übersehen werden.
Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Aspekte, die Sie bei der Bewertung einer Lebenspolice berücksichtigen sollten. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir detailliert beleuchten, um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.
Inhaltsverzeichnis: Der Wert einer Lebenspolice in der heutigen Zeit
- Warum hilft Ihnen die vertragliche Bindung einer Police, disziplinierter zu sparen als ein Bankkonto?
- Wie lesen Sie die Rückkaufstabelle, um den Wertverlust bei früher Kündigung zu verstehen?
- Sicherheit oder Rendite: Für wen lohnt sich der „teure“ Versicherungsmantel noch?
- Der Fehler, eine Police über 30 Jahre abzuschliessen, wenn Sie flexibel bleiben müssen
- Wann ist Ihr Guthaben in der Lebensversicherung vor Gläubigern geschützt?
- Bank oder Versicherung: Welche 3a-Lösung bietet Ihnen mehr Flexibilität im Notfall?
- Wie berechnet die Versicherung den Wert Ihrer Police in den ersten 5 Jahren?
- Warum verlieren Sie bis zu 40% Ihres eingezahlten Kapitals, wenn Sie die Police frühzeitig kündigen?
Warum hilft Ihnen die vertragliche Bindung einer Police, disziplinierter zu sparen als ein Bankkonto?
Ein wesentlicher, oft unterschätzter Vorteil einer Lebensversicherung liegt in ihrer psychologischen Wirkung. Während ein Banksparplan Flexibilität verspricht, ist genau diese Freiheit für viele Sparer die grösste Hürde. Die Möglichkeit, jederzeit Geld abzuheben, führt oft dazu, dass kurzfristige Wünsche über langfristige Vorsorgeziele gestellt werden. Eine Lebensversicherung funktioniert hier grundlegend anders: Sie schafft durch ihre vertragliche Struktur eine positive Verpflichtung. Die regelmässige Prämienzahlung ist kein optionaler Vorsatz mehr, sondern ein fester Bestandteil der finanziellen Planung.
Diese vertragliche Spardisziplin wirkt wie ein Leitplankensystem. Sie schützt das angesparte Kapital vor impulsiven Entscheidungen und sorgt für einen stetigen, ununterbrochenen Vermögensaufbau. Für Personen, die sich selbst als wenig diszipliniert im Umgang mit Geld einschätzen, kann dieser Mechanismus den entscheidenden Unterschied zwischen einem erreichten und einem verfehlten Sparziel ausmachen. Der „Zwang“ zum Sparen wird zu einer Garantie für den eigenen Erfolg.
Die Illustration unten verdeutlicht diesen Gedanken: Während frei verfügbares Geld oft für Konsum abfliesst (symbolisiert durch verstreute Münzen), sorgt die vertragliche Bindung der Police dafür, dass das Kapital gezielt und geschützt für die Zukunft aufgebaut wird.

Man bezahlt also nicht nur für eine Versicherung, sondern auch für einen Rahmen, der konsequentes Handeln fördert. Die Hemmschwelle, einen langfristigen Vertrag aufzulösen, ist deutlich höher als die, Geld von einem Sparkonto abzuheben. Dieser Aspekt ist besonders für sicherheitsorientierte Anleger relevant, für die das garantierte Erreichen eines bestimmten Sparbetrags wichtiger ist als die maximale Rendite.
Wie lesen Sie die Rückkaufstabelle, um den Wertverlust bei früher Kündigung zu verstehen?
Die grösste finanzielle Gefahr bei einer Lebensversicherung liegt in der vorzeitigen Kündigung. Um die Konsequenzen eines solchen Schrittes zu verstehen, ist die Rückkaufstabelle in Ihren Vertragsunterlagen das entscheidende Dokument. Sie zeigt detailliert auf, welchen Betrag – den sogenannten Rückkaufswert – Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt bei einer Kündigung erhalten würden. Gerade in den ersten Jahren ist dieser Wert oft schmerzlich niedrig und liegt deutlich unter der Summe Ihrer eingezahlten Prämien.
Der Grund für diesen Wertverlust sind die anfänglich hohen Kosten, die von Ihren Prämien abgezogen werden. Dazu gehören insbesondere die Abschluss- und Verwaltungskosten. Diese werden oft über die ersten Jahre „amortisiert“. Kündigen Sie frühzeitig, haben Sie diese Kosten bereits bezahlt, aber noch nicht durch Zinsgewinne kompensiert. Eine Vergleichsanalyse von Schweizer Versicherern zeigt, dass der Verlust nach einigen Jahren bis zu 23% betragen kann, abhängig von Vertrag und Anbieter.
Der Rückkaufswert setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die seine Höhe bestimmen. Die folgende Tabelle gibt einen vereinfachten Überblick über die Berechnung.
| Komponente | Beschreibung | Auswirkung |
|---|---|---|
| Deckungskapital | Das aus Ihren Sparprämien angesparte Vermögen. | Bildet die Basis des Rückkaufswerts. |
| Nicht amortisierte Kosten | Noch nicht durch die Laufzeit „abbezahlte“ Abschluss- und Vertriebskosten. | Reduziert den Auszahlungsbetrag erheblich in den ersten Jahren. |
| Gesetzliche Mindestgarantie | In der Schweiz muss der Rückkaufswert mindestens zwei Drittel des Deckungskapitals betragen. | Bietet einen gewissen gesetzlichen Schutz vor übermässigen Abzügen. |
Das Verständnis dieser Tabelle ist entscheidend: Sie entlarvt die Police nicht als „schlechtes Produkt“, sondern als ein Instrument, das für eine langfristige Nutzung konzipiert ist. Das Rückkaufsdilemma – der Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach Liquidität und dem Erhalt des Kapitals – sollte Ihnen vor dem Abschluss bewusst sein.
Sicherheit oder Rendite: Für wen lohnt sich der „teure“ Versicherungsmantel noch?
Die zentrale Frage für jeden sicherheitsorientierten Sparer lautet: Ist der Schutz und die Garantie einer Lebensversicherung die geringere Rendite im Vergleich zu reinen Bankprodukten wert? Die Antwort darauf ist keine pauschale, sondern eine höchst individuelle Abwägung. Der sogenannte „Versicherungsmantel“ ist mehr als nur ein Kostenfaktor; er ist ein Bündel von Leistungen, das über die reine Kapitalanlage hinausgeht. Dazu gehören Garantien auf das Kapital, ein garantierter Zinssatz (auch wenn dieser heute tief ist) und vor allem die Absicherung biometrischer Risiken wie Tod oder Erwerbsunfähigkeit.
Für Personen, die eine Familie abzusichern haben, selbstständig sind oder einfach nur die Gewissheit schätzen, dass ihre Sparziele auch im schlimmsten Fall erreicht werden, hat dieser Mantel einen unschätzbaren Wert. Die Stabilität des Schweizer Versicherungsmarktes untermauert dieses Sicherheitsversprechen. Eine Marktkonzentration von rund 85% bei den sechs grössten Anbietern sorgt für ein stabiles und stark reguliertes Umfeld.
Gleichzeitig ist es ein Trugschluss zu glauben, dass Policen keinerlei Rendite mehr bieten. Moderne Produkte reagieren auf das Tiefzinsumfeld mit neuen Ansätzen. Wie Zurich Schweiz in ihrem Ratgeber hervorhebt, gibt es auch heute noch renditeorientierte Optionen:
Fondsgebundene Lebensversicherungen wie «Capital Fund» oder die Sparversicherung «Vorsorge Premium» bieten auch in der aktuellen Tiefzinsphase Renditepotenzial.
– Zurich Schweiz, Lebensversicherung Ratgeber 2025
Der Versicherungsmantel lohnt sich also für jene, deren Priorität nicht auf der Renditemaximierung, sondern auf der Garantie und dem Risikomanagement liegt. Es ist eine bewusste Entscheidung, einen Teil der potenziellen Rendite gegen ein Höchstmass an Sicherheit und Planbarkeit einzutauschen. Für den reinen Anleger mag dies unlogisch erscheinen; für den vorsichtigen Vorsorgesparer ist es eine rationale und beruhigende Strategie.
Der Fehler, eine Police über 30 Jahre abzuschliessen, wenn Sie flexibel bleiben müssen
Eine der grössten Fehlentscheidungen beim Abschluss einer Lebensversicherung ist die Wahl einer zu langen Laufzeit, die nicht zur eigenen Lebensplanung passt. Ein Vertrag über 30 oder gar 40 Jahre mag auf den ersten Blick durch niedrigere Prämien attraktiv wirken, erzeugt aber eine extreme Rigidität. Das Leben ist selten linear planbar: Jobwechsel, der Wunsch nach Selbstständigkeit, ein Hauskauf oder eine unvorhergesehene finanzielle Notlage können die ursprünglichen Pläne schnell über den Haufen werfen.
Wer eine solch langfristige Police vorzeitig kündigen muss, zahlt ein hohes Lehrgeld. Wie bereits besprochen, sind die Rückkaufswerte in den ersten Jahren und oft sogar nach einem Jahrzehnt noch enttäuschend. Der Fehler liegt darin, die eigene zukünftige Flexibilitätsanforderung zu unterschätzen. Ein junger Mensch am Anfang seiner Karriere hat andere Bedürfnisse als jemand, der kurz vor der Pensionierung steht und Planungssicherheit sucht. Die langfristige Bindung wird dann von einer Sicherheitsgarantie zu einem finanziellen Klotz am Bein.
Die folgende Abbildung symbolisiert dieses Dilemma: Die starren Schienen eines langfristigen Vertrags stehen im Kontrast zu den vielfältigen Wegen, die das Leben bereithalten kann. Die richtige Weichenstellung zu Beginn ist entscheidend.

Eine klügere Strategie ist es, die Laufzeit realistisch und an absehbare Lebensereignisse anzupassen. Kürzere, gestaffelte Verträge oder Policen mit flexibleren Ausstiegsoptionen können eine sinnvollere Alternative sein. Bevor Sie unterschreiben, stellen Sie sich die ehrliche Frage: „Wie wahrscheinlich ist es, dass meine finanzielle Situation und meine Ziele in 10, 15 oder 20 Jahren noch dieselben sind?“ Die Antwort darauf sollte die maximale Vertragslaufzeit diktieren.
Wann ist Ihr Guthaben in der Lebensversicherung vor Gläubigern geschützt?
Ein ausserordentlicher und oft unbekannter Vorteil der Lebensversicherung in der Schweiz ist der sogenannte Gläubigerschutz, auch Konkursprivileg genannt. In einer finanziell unsicheren Situation, wie einer Privatinsolvenz oder dem Konkurs der eigenen Firma, kann dieses Privileg das angesparte Vorsorgekapital vor dem Zugriff durch Gläubiger bewahren. Dies ist ein Schutzmechanismus, den ein normales Bankkonto oder Wertschriftendepot in dieser Form nicht bietet.
Dieses Privileg greift jedoch nicht automatisch. Die entscheidende Voraussetzung ist die korrekte Begünstigungsklausel im Versicherungsvertrag. Damit das Kapital im Konkursfall geschützt ist, müssen als Begünstigte im Erlebens- und Todesfall der Ehepartner oder die direkten Nachkommen (Kinder) unwiderruflich eingesetzt werden. Ist dies der Fall, fällt der Rückkaufswert der Police nicht in die Konkursmasse und bleibt für die Vorsorge der Familie erhalten. Gemäss dem Schweizer Konkursprivileg kann der Schutz 100% des Kapitals umfassen, sofern die Begünstigung korrekt formuliert ist.
Für Selbstständigerwerbende, Unternehmer oder Personen in Berufen mit hohem Haftungsrisiko ist dieser Aspekt von unschätzbarem Wert. Die Lebensversicherung wird hier zu einem strategischen Instrument des Vermögensschutzes. Sie schafft eine finanzielle Festung, die selbst in den stürmischsten Zeiten unangetastet bleibt. Es ist eine Absicherung, die weit über die reine Altersvorsorge hinausgeht und die finanzielle Zukunft der Familie sichert.
Es ist daher unerlässlich, bei Vertragsabschluss die Begünstigungsklausel sorgfältig zu prüfen und gegebenenfalls juristisch beraten zu lassen. Nur eine präzise Formulierung stellt sicher, dass dieser starke Schutz im Ernstfall auch wirklich greift. Die Police wird so zu einem fundamentalen Baustein der Absicherung gegen existenzielle Risiken.
Bank oder Versicherung: Welche 3a-Lösung bietet Ihnen mehr Flexibilität im Notfall?
Die Entscheidung zwischen einer 3a-Lösung bei einer Bank oder einer Versicherung ist ein Klassiker in der Schweizer Vorsorgeberatung. Beide haben ihre Berechtigung, doch sie unterscheiden sich fundamental in Bezug auf Flexibilität, Garantien und Risikoschutz. Für den sicherheitsorientierten Sparer ist die Frage entscheidend, welche Lösung im Notfall – sei es durch Erwerbsunfähigkeit oder einen finanziellen Engpass – mehr Stabilität bietet.
Die Banklösung (3a-Konto oder -Depot) besticht durch ihre Flexibilität. Einzahlungen können in der Regel jederzeit pausiert oder in der Höhe angepasst werden, und die Anlagestrategie lässt sich oft ändern. Im Notfall, etwa bei Arbeitslosigkeit, können die Einzahlungen einfach gestoppt werden. Allerdings stoppt dann auch der Sparprozess, und es besteht kein zusätzlicher Schutz.
Die Versicherungslösung (3a-Police) ist rigider. Die Prämien sind vertraglich fixiert. Ihre Stärke spielt sie jedoch genau dann aus, wenn unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Eine integrierte Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit sorgt dafür, dass die Versicherung die Prämien weiterzahlt und das Sparziel dennoch erreicht wird. Im Todesfall wird das vereinbarte Kapital direkt an die Begünstigten ausbezahlt und fällt nicht in die oft langwierige Erbteilung. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Unterschiede gegenüber.
| Kriterium | Banklösung 3a | Versicherungslösung 3a |
|---|---|---|
| Flexibilität der Einzahlungen | Hoch, jederzeit anpass- oder sistierbar. | Niedrig, vertraglich fixierte Prämien. |
| Schutz bei Erwerbsunfähigkeit | Kein Schutz, der Sparprozess stoppt. | Prämienbefreiung; die Versicherung zahlt weiter. |
| Auszahlung im Todesfall | Guthaben fällt in die Erbmasse (kann blockiert sein). | Auszahlung direkt an die Begünstigten. |
| Verpfändung für Wohneigentum | Einfach und unkompliziert möglich. | Möglich, aber oft mit administrativen Auflagen verbunden. |
Im Notfall bietet die Versicherungslösung also deutlich mehr Schutz und Garantien, opfert dafür aber Flexibilität bei den Einzahlungen. Die Banklösung ist agiler, überlässt dem Sparer aber das volle Risiko bei Schicksalsschlägen. Die Wahl hängt somit direkt von der persönlichen Risikobereitschaft und dem Absicherungsbedarf ab.
Wie berechnet die Versicherung den Wert Ihrer Police in den ersten 5 Jahren?
Der Schockmoment für viele Versicherungsnehmer kommt, wenn sie nach wenigen Jahren den Wert ihrer Police abfragen: Er ist oft niedriger als die Summe der eingezahlten Prämien. Dieses Phänomen ist kein Fehler, sondern systembedingt und auf die anfängliche Kostenstruktur zurückzuführen. Um den Wert zu verstehen, muss man wissen, wie er sich in den ersten Jahren zusammensetzt und welche Abzüge vorgenommen werden.
Der Hauptgrund für den geringen Anfangswert ist die sogenannte „Zillmerung“. Dies bedeutet, dass die Abschlusskosten – also die Provision für den Vermittler und die administrativen Einrichtungskosten – nicht über die gesamte Laufzeit verteilt, sondern grösstenteils von den ersten Prämien abgezogen werden. Hinzu kommen die laufenden Kosten für die Risikodeckung (z.B. Todesfallschutz) und die Verwaltung. Ihre Sparprämie wird also zuerst um diese drei Posten reduziert, bevor der Rest verzinst wird.
Die vereinfachte Formel lautet: Rückkaufswert = Summe der Sparprämien + Zinsgutschriften – Risikokosten – Abschluss- und Verwaltungskosten. Da die Kosten am Anfang überproportional hoch sind, dauert es mehrere Jahre, bis die Zinsgewinne diese „aufgeholt“ haben und der Vertragswert die Summe der Einzahlungen übersteigt. Dieser Zeitpunkt wird als Erreichen der Gewinnzone bezeichnet.
Ihre Checkliste: Wertermittlung in den Anfangsjahren
- Eingezahlte Prämien summieren: Listen Sie alle bisher gezahlten Monats- oder Jahresprämien auf.
- Risikokosten identifizieren: Fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach dem Anteil der Prämie, der für die reine Risikodeckung (z.B. Todesfall) verwendet wird, und ziehen Sie diesen ab.
- Verwaltungskosten abziehen: Ermitteln Sie die jährlichen Verwaltungskosten, die von Ihrer Prämie abgehen.
- Amortisation der Abschlusskosten verstehen: Erkundigen Sie sich, über welchen Zeitraum die Abschlusskosten getilgt werden. Dies ist der grösste Abzugsposten am Anfang.
- Zinsgutschriften und Überschüsse prüfen: Addieren Sie die bisher gutgeschriebenen garantierten Zinsen und allfällige, nicht garantierte Überschussbeteiligungen.
Dieses Vorgehen hilft, die Wertentwicklung transparent nachzuvollziehen. Es zeigt, dass die Police ein langfristiges Engagement erfordert und die ersten Jahre primär der Kostendeckung dienen.
Das Wichtigste in Kürze
- Spardisziplin hat ihren Preis, aber auch einen messbaren Wert für Personen, denen konsequentes Sparen schwerfällt.
- Eine vorzeitige Kündigung ist aufgrund der hohen Anfangskosten fast immer ein Verlustgeschäft und sollte unter allen Umständen vermieden werden.
- Der wahre Wert einer Police für Sicherheitsorientierte liegt oft nicht in der Rendite, sondern im Schutz (Erwerbsunfähigkeit, Todesfall, Gläubigerschutz).
Warum verlieren Sie bis zu 40% Ihres eingezahlten Kapitals, wenn Sie die Police frühzeitig kündigen?
Die Warnung vor einer frühzeitigen Kündigung kann nicht oft genug wiederholt werden, denn die finanziellen Folgen sind gravierend. Der potenzielle Verlust von bis zu 40% des eingezahlten Kapitals in den ersten Jahren ist keine Seltenheit und hat klar benennbare Gründe. Es handelt sich nicht um eine willkürliche „Strafgebühr“ der Versicherung, sondern um die logische Konsequenz der Vertragsstruktur, die auf eine lange Laufzeit ausgelegt ist.
Der Haupttreiber für diesen Verlust sind die bereits erwähnten, stark front-lastigen Abschlusskosten (Zillmerung). Die Versicherung geht mit der Provision für den Vermittler in Vorleistung und holt sich dieses Geld über die ersten Jahre von Ihren Prämien zurück. Kündigen Sie den Vertrag, bevor diese Kosten amortisiert sind, bleiben Sie auf diesem Betrag sitzen. Sie haben für eine Leistung bezahlt – die Beratung und den Abschluss –, deren Nutzen (die langfristige Vorsorge) Sie aber nicht in Anspruch nehmen.
Zweitens werden von jeder Prämie die Kosten für den Risikoschutz abgezogen. Wenn Ihre Police beispielsweise einen Todesfallschutz oder eine Rente bei Erwerbsunfähigkeit beinhaltet, bezahlen Sie für diese Sicherheit jeden Monat. Dies ist eine versicherungstechnische Dienstleistung, die Sie in Anspruch genommen haben, auch wenn der Versicherungsfall nicht eingetreten ist. Dieses Geld ist verbraucht und fliesst nicht in den Spartopf. Drittens decken die Prämien laufende Verwaltungskosten. Auch diese sind bei einer Kündigung verloren.
Der hohe Verlust ist also die Summe aus vorfinanzierten Abschlusskosten und bereits bezahlten, aber nicht direkt ersichtlichen Versicherungsleistungen. Die Police ist ein Gesamtpaket, und bei einer Kündigung wird klar, dass nur ein Teil der Prämie tatsächlich dem reinen Sparen diente. Wer dies vor Abschluss versteht, kann die langfristige Natur des Produkts besser einschätzen und eine fundierte Entscheidung treffen.
Eine fundierte Entscheidung erfordert eine sorgfältige Analyse Ihrer persönlichen Situation. Bewerten Sie daher nicht nur die Kosten, sondern vor allem den Wert der Garantien und des Schutzes, um die für Sie passende Vorsorgelösung zu finden.
Häufig gestellte Fragen zur Vorsorge mit Lebensversicherungen
Kann ich zwischen Bank und Versicherung wechseln?
Bei bestimmten Ausnahmen wie dem Wechsel in die Selbstständigkeit oder der Finanzierung von selbstgenutztem Wohneigentum ist ein vorzeitiger Bezug und damit ein Systemwechsel möglich, allerdings oft mit den beschriebenen finanziellen Einbussen verbunden.
Was passiert bei einer Scheidung?
Die Lebensversicherung läuft auch bei einer Scheidung grundsätzlich weiter. Es ist jedoch zwingend zu prüfen, ob die begünstigte Person im Vertrag angepasst werden muss – dies ist besonders bei reinen Risikoversicherungen zur Absicherung des Partners entscheidend.
Welche Lösung eignet sich für Konkubinatspaare?
Bei der Säule 3a können Partner oder Partnerinnen nach einer nachweislich mindestens fünfjährigen Lebensgemeinschaft als Begünstigte auf Platz 2 der gesetzlichen Rangordnung eingesetzt werden. Dies bietet eine wichtige Absicherung, die bei einer reinen Banklösung komplizierter zu regeln ist.