
Die vorzeitige Kündigung Ihrer Schweizer 3. Säule-Police ist fast immer die schlechteste Option, die durch versteckte Kostenstrukturen der Versicherer systematisch zu hohen Verlusten führt.
- In den ersten Jahren decken Ihre Prämien primär die Abschlusskosten (Zillmerung), nicht den Kapitalaufbau.
- Alternativen wie eine Policenbeleihung oder Prämienfreistellung erhalten den Versicherungsschutz und vermeiden massive Stornoabzüge.
Empfehlung: Kündigen Sie niemals, bevor Sie nicht die exakte Höhe des Rückkaufswerts und die finanziellen Konsequenzen der Alternativen schriftlich von Ihrer Versicherung erhalten haben.
Sie benötigen dringend Liquidität und Ihr Blick fällt auf die Lebensversicherung der Säule 3a. Der Gedanke, den Vertrag aufzulösen und auf das angesparte Kapital zuzugreifen, scheint naheliegend. Doch dieser Schritt, oft als einfacher «Rückkauf» bezeichnet, ist in Wahrheit eine finanzielle Kapitulation, die Sie Zehntausende von Franken kosten kann. Die meisten Versicherungsnehmer sind sich nicht bewusst, dass sie nicht einfach ihr Geld zurückbekommen, sondern in eine sorgfältig kalkulierte Rückkaufswert-Falle tappen.
Die gängige Meinung ist, dass ein paar Gebühren anfallen, aber der Grossteil des Geldes verfügbar sein wird. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Die Versicherungsmathematik ist speziell in den ersten Vertragsjahren systematisch gegen Sie gerichtet. Die Verträge sind auf eine lange Laufzeit ausgelegt, und ein vorzeitiger Ausstieg wird mit massiven Abzügen, den sogenannten Stornoabzügen, bestraft. Diese Abzüge sind keine willkürliche Gebühr, sondern das Resultat einer Kostenverrechnung, die für den Kunden völlig intransparent ist.
Doch was, wenn die Kündigung nicht der einzige Ausweg ist? Was, wenn die wahre Kunst darin besteht, die internen Mechanismen der Versicherung zu verstehen, um sie zu Ihrem Vorteil zu nutzen, anstatt ihnen zum Opfer zu fallen? Dieser Artikel deckt die ungeschönte Wahrheit hinter dem Rückkaufswert auf. Wir analysieren die exakten Berechnungsmodelle, die zu Ihren Verlusten führen, und zeigen Ihnen konkrete, zahlenbasierte Strategien, wie Sie die Zahlungen stoppen oder an Ihr Geld kommen, ohne Ihr über Jahre aufgebautes Vorsorgekapital zu vernichten.
Dieser Leitfaden führt Sie durch die kritischen Fragen, die Sie sich stellen müssen. Wir beleuchten die Berechnungen der Versicherer, vergleichen die Alternativen zum Verkauf, klären die steuerlichen Fallstricke und bewerten, warum Ihre alten Policen in der heutigen Zeit wertvoller sein könnten, als Sie denken.
Inhalt: Ihr Wegweiser aus der Rückkaufswert-Falle
- Wie berechnet die Versicherung den Wert Ihrer Police in den ersten 5 Jahren?
- Police beleihen oder verkaufen: Welche Option rettet mehr von Ihrem Geld?
- Wann müssen Sie bereits gesparte Steuern beim Rückkauf nachzahlen?
- Wie stoppen Sie die Zahlungen, ohne das Kapital durch Stornoabzüge zu vernichten?
- Lohnt sich der Rückkauf bei einer Police mit 3% Garantiezins überhaupt jemals?
- Wann ist eine Lebenspolice trotz tiefer Zinsen ein sinnvoller Baustein Ihrer Vorsorge?
- Wie entscheiden Sie, ob Sie einen alten Vertrag beitragsfrei stellen oder weiterbesparen?
- Warum sind Ihre alten Lebensversicherungspolicen heute Gold wert?
Wie berechnet die Versicherung den Wert Ihrer Police in den ersten 5 Jahren?
Der Schockmoment für viele Versicherungsnehmer kommt, wenn sie den Rückkaufswert ihrer Police nach wenigen Jahren anfragen: Er liegt oft dramatisch unter der Summe der einbezahlten Prämien. Der Grund dafür ist ein in der Branche übliches, aber für Kunden intransparentes Verfahren namens Zillmerung. Dabei werden die hohen Abschluss- und Vertriebskosten (Provisionen für den Vermittler, Verwaltungskosten) nicht über die gesamte Laufzeit verteilt, sondern primär mit den Einzahlungen der ersten Jahre verrechnet. Sie tilgen also zuerst die Schulden, die durch den Vertragsabschluss entstanden sind, bevor Ihr Geld wirklich für Sie zu arbeiten beginnt.
Konkret bedeutet das: Von Ihrer monatlichen Prämie fliesst in den ersten ca. 3 bis 7 Jahren nur ein kleiner Teil in den Spartopf. Der grösste Teil wird zur Deckung der Abschlusskosten verwendet. Kündigen Sie in dieser Phase, erhalten Sie nur das zurück, was nach Abzug dieser Kosten im Spartopf übrig geblieben ist – also fast nichts. Zusätzlich erhebt die Versicherung einen Stornoabzug, eine Art Strafgebühr für die vorzeitige Vertragsauflösung, die den zukünftigen, entgangenen Gewinn des Versicherers kompensieren soll. Diese Kombination führt zu den oft zitierten Verlusten von bis zu 40% und mehr.
Die bittere Realität ist, dass selbst nach vielen Jahren noch Verluste entstehen können. Eine Vergleichsstudie von SichVersichern.ch zeigt Verluste zwischen 0 % und 23 % des eingezahlten Kapitals selbst bei einer Kündigung nach 21 Jahren. Der Rückkaufswert beginnt oft erst nach 10 bis 15 Jahren, die Summe der Einzahlungen zu übersteigen. Ein vorzeitiger Ausstieg ist somit fast immer ein Verlustgeschäft, das primär der Versicherung dient.
Police beleihen oder verkaufen: Welche Option rettet mehr von Ihrem Geld?
Wenn Sie Liquidität benötigen, ist die Kündigung der Police die naheliegendste, aber auch schädlichste Option. Es gibt intelligentere Alternativen, die den Totalverlust durch Stornoabzüge verhindern und Ihren wertvollen Versicherungsschutz erhalten. Die beiden wichtigsten Optionen in der Schweiz sind die Beleihung der Police und die Prämienfreistellung (Sistierung).
Die Beleihung der Police durch ein sogenanntes Policendarlehen ist eine oft übersehene, aber clevere Strategie. Anstatt den Vertrag aufzulösen, nehmen Sie ein Darlehen bei Ihrer Versicherung auf und hinterlegen den aktuellen Rückkaufswert als Sicherheit. Sie erhalten sofortige Liquidität, während Ihr Vertrag unverändert weiterläuft. Der Versicherungsschutz (z.B. im Todesfall oder bei Erwerbsunfähigkeit) bleibt vollständig bestehen und Ihr Kapital kann weiterhin vom Garantiezins profitieren. Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber der Kündigung.
Fallbeispiel: Policendarlehen als Alternative zum Rückkauf
Einige Produkte in der Schweiz ermöglichen es Versicherungsnehmern, ein Policen-Darlehen zu beantragen. Dies erlaubt es, die Police unverändert weiterzuführen und den Versicherungsschutz zu behalten, während gleichzeitig Liquidität geschaffen wird. Die Beleihung erfolgt typischerweise zu attraktiven Lombardzinssätzen von etwa 3.5% pro Jahr, was oft günstiger ist als ein regulärer Konsumkredit. So überbrücken Sie einen finanziellen Engpass, ohne das langfristige Vorsorgeinstrument zu zerstören.
Die Gegenüberstellung der Optionen macht die finanzielle Tragweite der Entscheidung deutlich. Während der Rückkauf einen sofortigen und endgültigen Kapitalverlust bedeutet, bieten Beleihung und Sistierung flexible Lösungen zur Überbrückung von Engpässen.

Wie das Bild andeutet, stehen Sie an einer Weggabelung. Der eine Pfad führt zum endgültigen Ausstieg mit Verlust, der andere zu einer durchdachten Lösung, die Ihre finanzielle Zukunft sichert. Bevor Sie eine Entscheidung treffen, ist eine genaue Analyse Ihrer vertraglichen Möglichkeiten unerlässlich.
Ihre Checkliste: Optionen bei Liquiditätsbedarf prüfen
- Rückkaufswert anfragen: Fordern Sie bei Ihrer Versicherung eine schriftliche und verbindliche Berechnung des aktuellen Rückkaufswerts an, um die Höhe des Verlusts zu beziffern.
- Policendarlehen prüfen: Erkundigen Sie sich nach den Konditionen für eine Beleihung Ihrer Police. Klären Sie die maximale Darlehenshöhe (oft bis zu 100% des Rückkaufswerts) und den Zinssatz.
- Sistierung (Prämienfreistellung) evaluieren: Fragen Sie nach der Möglichkeit, die Prämienzahlungen vorübergehend oder dauerhaft auszusetzen. Verstehen Sie, wie sich dies auf den zukünftigen Wert und den Versicherungsschutz auswirkt.
- Vertragliche Bedingungen studieren: Prüfen Sie Ihr Kleingedrucktes. Beachten Sie, dass ein privater Verkauf Ihrer Police an Dritte in der Schweiz, anders als in Deutschland, in der Regel nicht möglich ist. Der einzige „Käufer“ ist der Versicherer selbst.
- Gesamtsituation analysieren: Vergleichen Sie die Zinskosten des Darlehens mit dem garantierten Zinsertrag Ihrer Police. Ist die Differenz tragbar, um den Vertrag zu erhalten?
Wann müssen Sie bereits gesparte Steuern beim Rückkauf nachzahlen?
Ein entscheidender Faktor, der bei der Überlegung eines Rückkaufs oft vergessen wird, sind die steuerlichen Konsequenzen. Die Prämien für eine Lebensversicherung der Säule 3a sind in der Schweiz vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig. Dies führt über die Jahre zu einer erheblichen Steuerersparnis. Bei einer vorzeitigen Auszahlung fordert der Staat seinen Anteil jedoch zurück. Der ausbezahlte Betrag wird als Kapitalleistung aus Vorsorge besteuert, zwar getrennt vom übrigen Einkommen, aber zu einem speziellen Satz, der nicht zu unterschätzen ist.
Dieser Steuersatz ist progressiv und variiert erheblich je nach Wohnkanton und Höhe der Auszahlung. Die Bandbreite ist enorm: Je nach Konstellation kann der Steuersatz laut Steuerrechnern zwischen harmlosen 1.3% und schmerzhaften 28.4% liegen. Der Betrag, den Sie netto nach Steuern erhalten, ist also nochmals deutlich geringer als der ohnehin schon reduzierte Rückkaufswert. Sie erleiden somit einen doppelten Verlust: zuerst durch die Stornoabzüge der Versicherung, dann durch die Kapitalauszahlungssteuer des Staates.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Auszahlung zur Finanzierung von selbstbewohntem Wohneigentum oder bei einer Auswanderung aus der Schweiz erfolgt. Auch hier gelten spezifische steuerliche Regelungen. Bei einer Abmeldung aus der Schweiz wird beispielsweise eine Quellensteuer am Sitz der Vorsorgeeinrichtung fällig, die je nach Kanton ebenfalls stark variieren kann. Eine unüberlegte Kündigung kann so einen grossen Teil des über Jahre mühsam ersparten Kapitals vernichten, noch bevor es überhaupt auf Ihrem Konto ankommt.
Wie stoppen Sie die Zahlungen, ohne das Kapital durch Stornoabzüge zu vernichten?
Sie befinden sich in einem Liquiditätsengpass und können oder wollen die monatlichen Prämien nicht mehr zahlen. Die automatische Reaktion wäre die Kündigung, doch wie wir gesehen haben, ist das der Weg mit dem grössten finanziellen Schaden. Die beste Strategie, um die Zahlungen zu stoppen, ohne das Kapital zu vernichten, ist die Prämienfreistellung (auch Sistierung genannt). Dabei wird der Vertrag nicht aufgelöst, sondern in einen prämienfreien Zustand versetzt. Sie leisten keine weiteren Einzahlungen, aber das bisher angesparte Kapital bleibt im Vertrag erhalten und verzinst sich weiterhin mit dem ursprünglich vereinbarten Garantiezins.
Der entscheidende Vorteil: Sie umgehen die schmerzhaften Stornoabzüge vollständig. Der Todesfallschutz wird in der Regel auf eine reduzierte Summe angepasst, bleibt aber bestehen. Ihr Geld ist zwar weiterhin gebunden, aber es wird nicht durch Gebühren dezimiert. Dies ist eine exzellente Option, wenn der Liquiditätsbedarf nur vorübergehend ist oder wenn Sie die Prämien anderweitig investieren möchten, den wertvollen alten Vertrag aber nicht aufgeben wollen.
Eine weitere, fortgeschrittene Möglichkeit wird von einigen Versicherern angeboten, um den strengen Regeln der Säule 3a zu entkommen, wie die Pax Versicherung in einem Ratgeber hervorhebt:
Wandeln Sie Ihre Police in die freie Vorsorge der Säule 3b um und profitieren Sie weiterhin von den bisherigen Konditionen.
– Pax Versicherung, Ratgeber Rückkaufswert bei Lebensversicherungen
Diese Umwandlung in die freie Vorsorge (Säule 3b) kann die Flexibilität erhöhen, da die Auszahlungsbedingungen der Säule 3b weniger restriktiv sind. Das Kapital bleibt erhalten und profitiert von den alten, hohen Garantiezinsen. Sie gewinnen an Flexibilität, ohne das Fundament Ihres Vertrags – den hohen Zins – zu opfern. Dies ist eine strategische Meisterleistung im Vergleich zur brachialen Methode der Kündigung.
Lohnt sich der Rückkauf bei einer Police mit 3% Garantiezins überhaupt jemals?
Besitzen Sie eine ältere Police mit einem garantierten technischen Zinssatz von 3% oder sogar 4%? Herzlichen Glückwunsch, Sie halten einen finanziellen Schatz in den Händen, der heute nicht mehr erhältlich ist. Die historische Zinsentwicklung in der Schweiz, die die FINMA-Höchstzinssätze von über 4 % in den 90er Jahren auf aktuell 0,25 % fallen sah, verdeutlicht den Wert dieser Altverträge. Einen solchen Vertrag zu kündigen, ist vergleichbar mit dem Verkauf einer Goldmünze zum reinen Materialwert, ohne den Sammlerwert zu berücksichtigen.
In 99% der Fälle ist die Antwort auf die Frage im Titel ein klares Nein. Der langfristige Zinseszinseffekt eines hohen Garantiezinses übersteigt den kurzfristigen Gewinn durch die verfügbare Liquidität bei weitem. Die Alternativen wie Beleihung oder Prämienfreistellung sind fast immer die bessere Wahl. Doch es gibt seltene Ausnahmeszenarien, in denen ein Rückkauf trotz des hohen Garantiezinses rational sein kann.
Wann ein Rückkauf trotz hohem Garantiezins sinnvoll sein kann
Ein Rückkauf kann dann eine Option sein, wenn das Kapital für die Finanzierung von selbstbewohntem Wohneigentum in der Schweiz benötigt wird und keine anderen Eigenkapitalquellen zur Verfügung stehen. Ein weiterer Grund könnte sein, wenn die jährlichen Verwaltungskosten des Vertrags so hoch sind, dass sie den Garantiezins fast vollständig aufzehren und das Kapital stagniert. Letztlich kann ein Rückkauf sich lohnen, wenn Sie nachweislich und mit hoher Sicherheit in der Lage sind, das ausgezahlte Geld (nach Abzug von Gebühren und Steuern) mit einer deutlich besseren und risikoadjustierten Rendite anzulegen – eine sehr hohe Hürde.
Diese Szenarien sind jedoch die absolute Ausnahme. In den meisten Fällen ist der Verzicht auf einen garantierten, risikofreien Zins von 3% in der heutigen Nullzins-Welt ein schwerwiegender finanzieller Fehler. Bevor Sie diesen Schritt gehen, sollten Sie eine detaillierte Vergleichsrechnung durchführen, die den entgangenen Zinsgewinn bis zum Vertragsende berücksichtigt.
Wann ist eine Lebenspolice trotz tiefer Zinsen ein sinnvoller Baustein Ihrer Vorsorge?
In einer Welt, in der die Garantiezinsen für Neuverträge nahe null liegen, stellt sich die Frage nach dem Sinn einer kapitalbildenden Lebensversicherung neu. Der Fokus verschiebt sich weg vom reinen Spargedanken hin zu den ursprünglichen Kernkompetenzen einer Versicherung: der Absicherung existenzieller Risiken und der Schaffung von Spardisziplin. Genau hier bleibt die Lebenspolice auch heute ein wertvoller Baustein der Schweizer Vorsorgelandschaft.
Erstens bietet sie einen unschätzbaren Schutz für die Familie. Im Todesfall sichert die vereinbarte Versicherungssumme die Hinterbliebenen finanziell ab, ermöglicht die Tilgung einer Hypothek oder finanziert die Ausbildung der Kinder. Genauso wichtig ist die Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall. Eine Prämienbefreiung sorgt dafür, dass die Versicherung den Sparprozess für Sie fortführt, auch wenn Sie kein Einkommen mehr haben. Diese Sicherheitsnetze kann ein reiner Banksparplan nicht bieten.
Zweitens wirkt die regelmässige Prämienzahlung als eine Art „Zwangssparen“. In einer Zeit, in der Konsumverlockungen allgegenwärtig sind, schafft die vertragliche Verpflichtung eine Disziplin, die vielen Menschen beim freien Sparen fehlt. Sie bauen kontinuierlich und strukturiert Kapital für das Alter auf, ohne bei jeder Marktschwankung oder persönlichen Laune die Strategie zu ändern. Diese Beharrlichkeit ist ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor für den langfristigen Vorsorgeerfolg. Die Lebensversicherung ist somit weniger ein Rendite-Turbo als vielmehr ein stabiles Fundament für Sicherheit und langfristigen Vermögensaufbau.
Wie entscheiden Sie, ob Sie einen alten Vertrag beitragsfrei stellen oder weiterbesparen?
Sie besitzen einen alten Vertrag mit hohem Garantiezins, aber Ihre finanzielle Situation hat sich geändert oder Sie möchten Ihr Geld lieber in flexiblere, renditestärkere Anlagen investieren. Sie stehen vor dem Dilemma: den goldenen Käfig weiter füttern oder das Geld anderweitig arbeiten lassen? Die Entscheidung zwischen Weiterbesparen und Prämienfreistellung ist eine strategische Weichenstellung.
Das Weiterbesparen hat den Vorteil, dass Sie den Zinseszinseffekt auf eine stetig wachsende Kapitalsumme maximieren. Jede weitere Prämie wird ebenfalls mit dem hohen Garantiezins verzinst. Wenn Sie die finanzielle Kapazität haben und auf Sicherheit Wert legen, ist dies der Weg, um das Maximum aus Ihrem Altvertrag herauszuholen. Die Prämienfreistellung hingegen bietet einen eleganten Kompromiss. Sie stoppen die Einzahlungen, das bestehende Kapital verzinst sich aber mit dem hohen Garantiezins weiter. Die freiwerdenden Mittel können Sie nun in moderne, potenziell renditestärkere Produkte wie ETF-Sparpläne investieren. Sie kombinieren so die garantierte Sicherheit des Altvertrags mit den Renditechancen neuer Anlagen.
Die Entscheidung hängt von Ihrer persönlichen Risikotoleranz und Ihrer finanziellen Gesamtsituation ab. Es gibt keine pauschal richtige Antwort. Ein Erfahrungsbericht zeigt jedoch, dass die Prämienfreistellung oft als strategisch kluger Weg wahrgenommen wird.
Viele Versicherungsnehmer berichten, dass die Prämienfreistellung alter Verträge mit hohem Garantiezins eine strategisch kluge Entscheidung war. Der hohe Garantiezins bleibt auf dem bestehenden Kapital erhalten, während neue Sparbeiträge in modernere, flexiblere Vorsorgelösungen investiert werden können.
– Erfahrung laut Versicherung-Schweiz.ch
Diese Hybridstrategie erlaubt es, „das Beste aus beiden Welten“ zu nutzen: die garantierte Rendite der Vergangenheit und die Flexibilität der Gegenwart. Sie kappen nicht die Wurzeln Ihres wertvollen Vertrags, sondern lassen nur neue, andere Äste wachsen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die vorzeitige Kündigung einer 3. Säule-Police führt durch Zillmerung und Stornoabzüge fast immer zu massiven Verlusten.
- Alternativen wie Policenbeleihung oder Prämienfreistellung sind finanziell weitaus sinnvoller, um an Liquidität zu kommen oder Zahlungen zu stoppen.
- Alte Verträge mit hohem Garantiezins (z.B. 3-4%) sind heute extrem wertvoll und sollten unter keinen Umständen leichtfertig gekündigt werden.
Warum sind Ihre alten Lebensversicherungspolicen heute Gold wert?
In der heutigen Nullzins-Ära sind alte Lebensversicherungspolicen mit einem hohen technischen Zinssatz von 3% oder 4% nicht nur Papier, sondern pures Gold. Sie garantieren eine risikofreie Rendite, von der Anleger heute nur träumen können. Doch genau dieser Wert macht sie zu einem zweischneidigen Schwert: Sie sind ein Segen für Sie als Kunde, aber eine schwere Last für die Versicherungsgesellschaften, die diese hohen Zinsen erwirtschaften müssen. Dies hat zu einem stillen Krieg um diese Altverträge geführt.
Versicherer haben ein starkes finanzielles Interesse daran, diese teuren Verpflichtungen loszuwerden. Das erklärt, warum Berater oft proaktiv auf Kunden zugehen, um ihnen eine „Modernisierung“ ihres Portfolios vorzuschlagen. In Wahrheit verbirgt sich dahinter oft der Versuch, den Kunden aus dem teuren Altvertrag in eine neue, fondsgebundene Police ohne Garantiezins umzudecken.
Warum Versicherer aktiv versuchen, alte Verträge umzudecken
Versicherer versuchen aktiv, Kunden aus teuren Altverträgen in neue, fondsgebundene Policen umzudecken. Dies liegt meist im Interesse des Versicherers (tiefere Garantien) und nicht des Kunden. Alte Verträge mit technischen Zinssätzen von 3-4% sind für Versicherer heute eine teure Verpflichtung, die sie in der aktuellen Marktlage kaum noch refinanzieren können, während aktuelle Neuverträge nur noch einen von der FINMA gedeckelten Höchstzins von 0.25% bieten. Jeder Altvertrag, der gekündigt wird, ist eine Bilanzposition, die der Versicherer mit Freude ausbucht.
Die symbolische Darstellung eines goldenen Uhrwerks verdeutlicht die Komplexität und den inneren Wert dieser Verträge. Sie sind präzise, verlässlich und aus einem Material gefertigt, das heute unbezahlbar ist. Leider ist die Verlockung des schnellen Geldes gross, und laut dem Schweizerischen Versicherungsverband werden über 50 % der Policen vorzeitig gekündigt – ein massiver und oft unnötiger Kapitalverlust für die Versicherten.

Ihre alte Police ist also nicht nur ein Sparprodukt, sondern ein strategischer Vermögenswert. Die Entscheidung, sie zu halten, zu beleihen oder beitragsfrei zu stellen, sollte mit dem Wissen getroffen werden, dass Sie im Besitz eines seltenen und begehrten Gutes sind. Eine Kündigung ist fast immer die Vernichtung dieses einzigartigen Werts.
Die Analyse zeigt deutlich, dass eine Kündigung nur der letzte Ausweg sein sollte. Prüfen Sie Ihren Vertrag und die Alternativen sorgfältig, bevor Sie eine unwiderrufliche Entscheidung treffen. Eine professionelle, unabhängige Analyse Ihrer Police ist der nächste logische Schritt, um Tausende von Franken zu retten und Ihre finanzielle Zukunft zu sichern.
Häufige Fragen zur Besteuerung bei vorzeitigem Bezug
Was passiert steuerlich bei einem Rückkauf der Säule 3a vor dem Pensionsalter?
Der Bezug wird zum Zeitpunkt der Fälligkeit als Kapitalauszahlung besteuert, jedoch zu einem reduzierten Satz getrennt vom übrigen Einkommen.
Gibt es kantonale Unterschiede bei der Besteuerung?
Ja, die Steuersätze variieren erheblich zwischen den Kantonen. Eine Staffelung der Bezüge über mehrere Jahre kann helfen, die Steuerprogression zu brechen und Steuern zu sparen.
Was gilt bei einer Auswanderung?
Bei einer definitiven Abmeldung aus der Schweiz und dem Wegzug ins Ausland erfolgt eine Quellenbesteuerung am Sitz der Vorsorgeeinrichtung, bevor das Kapital ausbezahlt wird.