Veröffentlicht am März 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Das grösste Risiko ist die „Unterversicherungsfalle“: Ist Ihre Summe 50% zu tief, zahlt die Versicherung auch bei einem Teilschaden nur 50%.
  • Die Lösung ist keine endlose Liste, sondern eine systematische „Zonen-Inventur“, die Sie in einer Stunde durchführen können.
  • Die Quadratmeter-Methode ist ein guter Start, aber für alles ausser dem Durchschnitt ungenau und gefährlich.
  • Versteckte Werte in Keller, Estrich und bei Wertsachen sind die häufigsten Fehlerquellen, die Sie mit dieser Methode aufdecken.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor den Trümmern Ihrer Wohnung nach einem Brand. Der Schock weicht langsam der pragmatischen Frage: Wie ersetze ich das alles? Die meisten Mieter und Eigentümer in der Schweiz haben zwar eine Hausratversicherung, doch viele leben mit einer tickenden Zeitbombe: einer veralteten, viel zu tief geschätzten Versicherungssumme. Die gängige Meinung ist, man müsse mühsam jeden Löffel auflisten oder könne einfach eine pauschale Zahl schätzen. Beides führt oft zu fatalen Fehlern.

Das Problem liegt tiefer als nur im Vergessen des neuen Fernsehers oder des geerbten Schmucks. Es liegt im System der Bewertung selbst. Viele wissen nicht, dass eine Unterversicherung nicht nur bei einem Totalschaden greift, sondern bei jedem einzelnen Schadenfall zu prozentualen Kürzungen führt. Die Angst vor dem Aufwand einer genauen Inventur führt zu einem Ratespiel, bei dem man im Ernstfall nur verlieren kann. Doch was, wenn die Lösung nicht in penibler Detailarbeit, sondern in einer professionellen, visuellen Methode liegt?

Der Schlüssel zur korrekten Summe ist nicht, mehr Zeit zu investieren, sondern die Zeit richtig zu nutzen. Es geht darum, sich die Denkweise eines Inventar-Schätzers anzueignen: systematisch in Zonen vorgehen, Wert-Cluster erkennen und die oft übersehenen „Wertspeicher“ wie Keller und Estrich gezielt zu durchleuchten. Eine korrekte Summe ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer schnellen, strategischen Bestandsaufnahme.

Dieser Artikel führt Sie durch genau diese Methode. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die gefährliche Unterversicherungsfalle verstehen, wie Sie Ihren gesamten Hausrat in einer Stunde systematisch erfassen und warum die oft empfohlene Quadratmeter-Regel für viele Schweizer Haushalte ein Risiko darstellt. So stellen Sie sicher, dass Sie im Ernstfall nicht auf einem Teil des Schadens sitzen bleiben.

Warum kürzt die Versicherung 50% der Zahlung, wenn Ihre Summe 50% zu tief angesetzt war?

Dies ist der Kern der Unterversicherungsfalle und der finanziell gefährlichste Irrtum in der Hausratversicherung. Viele glauben, solange der Einzelschaden unter der Versicherungssumme liegt, werde er voll bezahlt. Das ist falsch. Das Prinzip der Unterversicherung funktioniert wie ein Strafprozentsatz, der auf jeden Schaden angewendet wird. Wenn Ihr Hausrat tatsächlich 100’000 CHF wert ist, Sie ihn aber nur mit 50’000 CHF versichert haben, sind Sie zu 50% unterversichert. Entsteht nun ein Wasserschaden von 10’000 CHF, zahlt die Versicherung nicht die vollen 10’000 CHF, sondern kürzt die Leistung um Ihren Unterversicherungssatz – also um 50%. Sie erhalten nur 5’000 CHF.

Dieses Prinzip schützt die Versicherungsgemeinschaft vor jenen, die versuchen, durch eine zu tiefe Summe Prämien zu sparen. Für den unachtsamen Versicherten wird es jedoch zur Falle. Die Versicherung geht davon aus, dass Sie mit der zu tiefen Prämie auch nur einen Teil des Risikos an sie abgetreten haben und den Rest selbst tragen. Das Problem ist in der Schweiz weit verbreitet. Laut Branchenexperten sind viele Haushalte und Unternehmen unwissentlich unterversichert, was die finanzielle Stabilität im Schadenfall massiv gefährdet.

Ein konkretes Beispiel aus Zürich verdeutlicht die Gefahr. Familie Müller hatte ihren Hausrat auf 400’000 CHF versichert, der tatsächliche Neuwert betrug aber 500’000 CHF. Sie waren also zu 20% unterversichert. Nach einem Wasserschaden mit einem Schaden von 100’000 CHF erwarteten sie die volle Summe. Die Versicherung kürzte die Zahlung jedoch um 20% auf 80’000 CHF. Die Familie musste die restlichen 20’000 CHF aus eigener Tasche bezahlen. Dieser Fall zeigt, dass bereits eine vermeintlich kleine Fehleinschätzung gravierende Konsequenzen hat.

Wie erfassen Sie Keller, Estrich und Kleiderschränke systematisch in einer Stunde?

Die grösste Hürde bei der Wertermittlung ist die schiere Menge an Gegenständen. Der Trick liegt nicht darin, jeden einzelnen Post-it-Zettel zu listen, sondern in einer systematischen Zonen-Inventur. Anstatt planlos durch die Wohnung zu irren, agieren Sie wie ein Profi-Schätzer: Sie teilen Ihre Wohnung in logische Zonen auf und scannen diese visuell. Vergessen Sie Stift und Papier; Ihr wichtigstes Werkzeug ist die Kamera Ihres Smartphones. Machen Sie in jedem Raum Übersichtsfotos und Detailaufnahmen von teuren Gegenständen oder Sammlungen.

Organisierter Kellerraum mit kategorisierten Gegenständen und einer Person, die mit einem Tablet eine Inventarliste überprüft.

Besondere Aufmerksamkeit widmen Sie den „Wertspeichern“: Keller, Estrich und die Tiefen der Kleiderschränke. Hier lagern oft vergessene Schätze – die teure Skiausrüstung, die Sammlung von Designertaschen, das Velo oder E-Bike. Indem Sie diese Bereiche gezielt fotografieren, zwingen Sie sich zur Auseinandersetzung mit deren Inhalt. Anschliessend setzen Sie sich 15 Minuten hin und schätzen den Neuwert der grossen Posten pro Zone: Möbelgruppe im Wohnzimmer, Kücheneinrichtung, Inhalt des Kleiderschranks. Addieren Sie diese Grobschätzungen und fügen Sie einen Puffer für all die kleinen Dinge hinzu, die sich summieren.

Ihr 1-Stunden-Inventurplan: Schritt für Schritt zur korrekten Summe

  1. Zonen definieren (5 Min): Teilen Sie Ihre Wohnung mental in klare Bereiche: Wohnen, Schlafen, Küche, Bad, Büro, Flur, Keller, Estrich, Garage.
  2. Visueller Scan (30 Min): Gehen Sie Zone für Zone durch. Machen Sie mit dem Smartphone in jeder Zone ein Übersichtsfoto und Detailfotos von allem, was über 500 CHF wert ist (Möbel, Elektronik, Sportgeräte, Kunst).
  3. Wert-Cluster schätzen (20 Min): Setzen Sie sich mit den Fotos hin. Schätzen Sie den Neuwert der Hauptgruppen pro Zone (z.B. „Sitzgruppe Wohnzimmer: 8’000 CHF“, „Bett & Schrank Schlafzimmer: 5’000 CHF“, „Skiausrüstung Keller: 4’000 CHF“).
  4. Kleinkram-Puffer addieren (5 Min): Addieren Sie die Summen der Wert-Cluster. Fügen Sie pauschal 10-20% für den gesamten Kleinkram (Geschirr, Bücher, Kleidung, Deko) hinzu.
  5. Digital archivieren: Speichern Sie die Fotos und Ihre kurze Notiz mit der Endsumme in einer Cloud (z.B. Google Drive, Dropbox). So haben Sie im Schadenfall sofort einen Beweis zur Hand.

Neues Sofa, neuer TV: Wann müssen Sie die Summe zwingend anpassen?

Eine einmal korrekt ermittelte Versicherungssumme ist kein statischer Wert. Ihr Hausrat verändert sich ständig, und damit auch sein Gesamtwert. Die grösste Gefahr ist die schleichende Unterversicherung durch Neuanschaffungen. Ein neues Ledersofa für 5’000 CHF, ein 4K-Fernseher für 3’000 CHF oder eine Erbschaft in Form eines antiken Schranks können Ihre mühsam ermittelte Summe schnell wieder aus dem Gleichgewicht bringen. Die meisten Versicherungsbedingungen sehen eine Meldepflicht bei wesentlichen Werterhöhungen vor.

Als Faustregel gilt: Kontaktieren Sie Ihre Versicherung immer dann, wenn der Gesamtwert Ihres Hausrats um mehr als 10% steigt. Dies ist der kritische Schwellenwert, ab dem eine Anpassung dringend empfohlen wird. Es geht nicht nur um einzelne grosse Käufe. Auch viele kleinere Anschaffungen können sich über ein Jahr summieren. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, einmal im Jahr, zum Beispiel bei Erhalt der neuen Prämienrechnung, kurz innezuhalten und zu überlegen, was sich im letzten Jahr verändert hat.

Ein klassisches Szenario ist die Familie Müller, die nach dem Einzug ihre Summe korrekt festgelegt hat. Innerhalb von zwei Jahren kauften sie ein neues Ledersofa, die Kinder bekamen teure E-Bikes, und sie erbten ein wertvolles Bild. Jede einzelne Veränderung schien nicht gravierend, doch in der Summe erhöhte sich der Wert ihres Hausrats um fast 25’000 CHF. Ohne eine Anpassung der Police wären sie im Schadenfall massiv unterversichert gewesen. Folgende Ereignisse sollten bei Ihnen immer die Alarmglocken läuten lassen:

  • Grössere Anschaffungen (Möbel, teure Elektronik, Kunstwerke)
  • Erhalt von wertvollen Geschenken oder Erbstücken (z.B. Uhren, Schmuck über 5’000 CHF)
  • Umzug in eine grössere Wohnung mit zusätzlichen Möbeln
  • Renovierungen, die mit neuen Einrichtungsgegenständen einhergehen

Schmuck und Bargeld: Welche Limiten gelten für Wertsachen, die offen herumliegen?

Selbst bei einer korrekt berechneten Gesamtsumme gibt es eine weitere wichtige Einschränkung: die sogenannten Wertsachenlimiten. Für besonders diebstahlgefährdete Gegenstände wie Schmuck, Uhren, Bargeld oder Edelmetalle gelten in der Hausrat-Grundversicherung strenge Obergrenzen, wenn diese nicht speziell gesichert sind. Liegt Ihre teure Uhr auf dem Nachttisch und wird gestohlen, erhalten Sie nicht den vollen Wert, sondern nur bis zur vertraglich festgelegten Limite für „offen herumliegenden Schmuck“.

Hochwertiger Schmuck und Uhren, elegant auf Samt in einer geöffneten Tresorschublade arrangiert, was Sicherheit und Wert symbolisiert.

Diese Limiten variieren je nach Versicherer, bewegen sich aber in der Schweiz in einem ähnlichen Rahmen. Es ist entscheidend, dass Sie diese spezifischen Beträge in Ihrer Police kennen. Wenn der Wert Ihrer Schmucksammlung oder Ihres Bargeldbestands diese Limiten übersteigt, haben Sie zwei Möglichkeiten: die Gegenstände in einem zertifizierten Tresor aufbewahren, was die Limiten deutlich erhöht, oder eine separate Wertsachenversicherung abschliessen.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über typische Limiten in der Schweiz. Prüfen Sie jedoch immer die genauen Zahlen in Ihrem eigenen Vertrag, da diese abweichen können.

Übersicht typischer Wertsachenlimiten bei Schweizer Versicherern
Gegenstand Limite bei offener Aufbewahrung (ca.) Limite im Tresor (Richtwert)
Bargeld CHF 2’000 – 5’000 Individuell, oft deutlich höher
Schmuck & Uhren CHF 20’000 – 30’000 Bis zur vollen Versicherungssumme möglich

Für Sammler, beispielsweise von hochwertigen Uhren, ist die Standard-Hausratversicherung unzureichend. Ein Schweizer Uhrensammler etwa hat seine Sammlung über eine spezielle Wertsachenversicherung bei der Mobiliar versichert. Der Vorteil: weltweite Deckung zum vollen Neuwert gegen fast alle Gefahren, nicht nur Diebstahl. Die Prämie dafür beträgt knapp 1% des Gesamtwertes pro Jahr – eine Investition in die Sicherheit, die eine normale Hausratversicherung nicht bieten kann.

Wann lohnt sich die Klausel „Verzicht auf Unterversicherung“ im Kleingedruckten?

Viele moderne Hausratversicherungen in der Schweiz werben mit dem „Unterversicherungsverzicht“. Diese Klausel klingt wie ein Allheilmittel: Die Versicherung verspricht, im Schadenfall nicht zu prüfen, ob die Versicherungssumme korrekt war, und zahlt den Schaden bis zur vereinbarten Obergrenze. Das ist in vielen Fällen ein enormer Vorteil, da es die Gefahr der prozentualen Kürzung bannt. Doch die Klausel ist kein Freibrief für willkürliche Schätzungen. Sie hat zwei entscheidende Haken, die man kennen muss.

Erstens gilt der Verzicht oft nicht bei grober Fahrlässigkeit. Wenn Sie in einer 150m²-Wohnung mit hochwertiger Einrichtung leben und eine Versicherungssumme von nur 20’000 CHF angeben, wird die Versicherung im Schadenfall argumentieren, dass diese Angabe grob fahrlässig falsch war, und kann die Leistung dennoch kürzen. Der Verzicht schützt vor leichten Fehleinschätzungen, nicht aber vor offensichtlich unrealistischen Angaben. In der Regel darf ein Versicherer den Einwand der Unterversicherung ohnehin nur erheben, wenn die Differenz mehr als 10% beträgt, wie es allgemeiner Versicherungsbrauch ist. Die Klausel bietet also vor allem Schutz im Graubereich einer leichten Unterschätzung.

Zweitens ist der Verzicht an Bedingungen geknüpft. Oft wird er nur gewährt, wenn die Versicherungssumme nach einer von der Versicherung vorgegebenen Methode berechnet wurde, zum Beispiel anhand der Wohnfläche in Quadratmetern oder der Anzahl der Zimmer. Weichen Sie von dieser Methode ab und legen die Summe selbst fest, kann es sein, dass der Verzicht nicht greift. Ein Unterversicherungsverzicht bedeutet also, dass die Versicherung im Schadenfall auf die Prüfung verzichtet, ob der Hausrat ausreichend versichert war, solange die ursprüngliche Wertangabe plausibel und nicht grob fahrlässig war. Damit wird ein entstandener Schaden in der Regel bis zur vereinbarten Versicherungssumme ersetzt. Diese Klausel lohnt sich also für alle, die eine realistische, aber nicht auf den Franken genaue Schätzung vorgenommen haben. Sie ist eine Absicherung gegen kleine Fehler, aber keine Einladung zur Nachlässigkeit.

Warum zahlen Schweizer Haushalte oft doppelt für Risiken, die bereits abgedeckt sind?

Während die Unterversicherung das grösste Risiko darstellt, ist die Doppelversicherung der häufigste Fehler, der unnötig Geld kostet. Viele Schweizer Haushalte schliessen separate Versicherungen für Risiken ab, die bereits durch ihre Hausratversicherung (oft mit einem kleinen Zusatz) gedeckt wären. Dies geschieht aus Unwissenheit über den genauen Deckungsumfang der eigenen Police. Ein Paradebeispiel ist der „einfache Diebstahl auswärts“.

Dieser Zusatz zur Hausratversicherung deckt den Diebstahl von persönlichen Gegenständen ausserhalb der eigenen vier Wände – weltweit. Wird Ihnen also das Smartphone aus der Tasche gestohlen oder der Laptop aus dem verschlossenen Hotelzimmer entwendet, springt diese Deckung ein, meist bis zu einer Summe von 2’000 CHF. Wer diese Deckung hat, benötigt in den meisten Fällen keine separate Handy- oder Gepäckversicherung, die oft teuer und mit vielen Ausschlüssen verbunden ist. Die Mobiliar etwa stellt klar, dass mit der Zusatzdeckung „einfacher Diebstahl auswärts“ das Hab und Gut auch ausserhalb des Zuhauses bei Diebstahl zum Neuwert versichert ist, was separate Policen überflüssig macht.

Bevor Sie eine neue, spezifische Versicherung abschliessen, sollten Sie immer zuerst Ihre Hausratpolice konsultieren. Eine kurze Prüfung kann Ihnen Hunderte von Franken pro Jahr sparen. Folgende Bereiche sind typische Kandidaten für Doppelversicherungen:

  • Reisegepäck: Oft über „einfachen Diebstahl auswärts“ gedeckt.
  • Handy/Laptop: Ebenfalls oft durch „Diebstahl auswärts“ und manchmal sogar durch eine Hausrat-Kasko gegen Beschädigung abgedeckt.
  • Glasbruch: Mobiliarverglasung (z.B. Glastische) ist oft in der Grunddeckung enthalten. Gebäudeverglasung ist Sache der Gebäude- oder Vermieterversicherung.
  • E-Bikes: Langsame E-Bikes (bis 25 km/h) gelten als Fahrrad und sind in der Regel über die Hausratversicherung gegen Diebstahl am Wohnort gedeckt.

Zählt der Wintergarten oder der Hobbyraum im Keller zur versicherten Fläche?

Wenn Sie die Versicherungssumme pauschal nach Quadratmetern berechnen, ist die korrekte Definition der „versicherten Fläche“ entscheidend. Eine falsche Flächenangabe führt direkt zu einer falschen Versicherungssumme. Die Grundregel lautet: Alle von Ihnen allein genutzten und abschliessbaren Räume gehören dazu. Reine Aussenflächen wie Balkone oder Terrassen zählen hingegen meist nicht.

Die Abgrenzung kann im Detail knifflig sein. Ein geschlossener und heizbarer Wintergarten wird zur Wohnfläche gezählt, ebenso eine verglaste Loggia. Ein einfacher, offener Balkon hingegen nicht. Ein privater, abschliessbarer Hobbyraum im Keller zählt voll dazu, ein offenes Kellerabteil oder ein gemeinschaftlich genutzter Veloraum nicht. Die entscheidenden Kriterien sind immer die alleinige Nutzung und die Abschliessbarkeit des Raumes.

Eine Checkliste hilft bei der korrekten Ermittlung der Gesamtfläche:

  • Ja, zählt dazu: Alle Wohnräume, Küche, Bad, Flure, geschlossener Wintergarten, verglaste Loggia, abschliessbarer Hobbyraum im Keller, abschliessbarer Estrich, geschlossene Einzelgarage.
  • Nein, zählt nicht dazu: Offener Balkon, Terrasse, offenes Kellerabteil, Gemeinschaftsräume (z.B. Waschküche).

Die Quadratmetermethode hat jedoch eine entscheidende Schwäche: Sie geht von einer durchschnittlichen Einrichtung aus. Sie funktioniert nicht, wenn in einem Raum überdurchschnittlich hohe Werte konzentriert sind. Ein typischer Fallstrick ist ein Hobbyraum mit einer teuren Modelleisenbahnsammlung im Wert von 40’000 CHF oder ein klimatisierter Weinkeller. Ein 15m² grosser Hobbyraum würde bei einer Pauschale von 700 CHF/m² nur mit 10’500 CHF in die Summe einfliessen – eine massive Unterversicherung für den tatsächlichen Inhalt. In solchen Fällen ist die Quadratmetermethode ungeeignet und eine detaillierte Inventur, wie in diesem Artikel beschrieben, zwingend erforderlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die grösste Gefahr ist die „Unterversicherung“, bei der jeder Schaden prozentual gekürzt wird – nicht nur der Totalschaden.
  • Eine systematische Inventur nach Zonen mit Fotos ist schneller und genauer als mühsame Listen oder pauschale Schätzungen.
  • Prüfen Sie Ihre Police regelmässig (mind. alle 2 Jahre) und nach jeder grösseren Anschaffung (>10% des Werts), um schleichende Unterversicherung zu vermeiden.

Warum ist die Versicherung nach Quadratmetern oft sicherer als das Schätzen der Summe?

Für viele Menschen ohne spezielle Sammlungen oder aussergewöhnlich teure Einrichtung ist die Berechnung der Versicherungssumme nach Quadratmetern eine einfache und oft erstaunlich treffsichere Methode. Versicherungen in der Schweiz bieten diese als Standard an, da sie auf Erfahrungswerten beruht, was ein durchschnittlicher Haushalt pro Quadratmeter an Werten besitzt. Üblicherweise wird die Wohnfläche mit einem Faktor multipliziert, wobei die Werte meist zwischen CHF 500 und 750 pro m² liegen. Für eine 100m²-Wohnung ergibt das eine Summe zwischen 50’000 und 75’000 CHF.

Der grosse Vorteil dieser Methode ist die Sicherheit gegen leichte Unterschätzung. Da die Berechnung von der Versicherung selbst vorgeschlagen wird, gewähren viele Anbieter im Gegenzug den „Verzicht auf Unterversicherung“. Sie sind also vor den prozentualen Kürzungen geschützt, solange die Flächenangabe korrekt war. Für jemanden, der seinen Besitz nur schwer schätzen kann, ist dies eine deutlich sicherere Option als eine frei erfundene Zahl. Die Methode schützt vor dem Bauchgefühl, das oft trügt.

Allerdings ist diese Pauschale ein zweischneidiges Schwert. Sie ist nur so gut wie der Durchschnitt, auf dem sie basiert. Für bestimmte Lebenssituationen ist sie entweder zu hoch oder gefährlich zu tief. Ein minimalistisch lebender Single in einer grossen Wohnung zahlt damit möglicherweise zu hohe Prämien (Überversicherung), während ein Kunstsammler oder eine Familie mit teuren Hobbys in einer normalen Wohnung massiv unterversichert ist. Die folgende Übersicht zeigt, wann die Methode passt und wann nicht.

Vor- und Nachteile der Quadratmetermethode
Situation Eignung der Quadratmetermethode Empfehlung
Studenten-WG Schlecht (führt zu Überversicherung) Individuelle Schätzung pro Person
Durchschnittsfamilie Gut (meist passend und sicher) Quadratmetermethode mit Unterversicherungsverzicht
Kunst-/Uhrensammler Sehr schlecht (führt zu massiver Unterversicherung) Detaillierte Inventur + separate Wertsachenversicherung
Minimalistischer Single Mässig (kann zu Überversicherung führen) Individuelle Berechnung oder tiefste Pauschale wählen

Letztlich ist die Quadratmetermethode eine wertvolle Absicherung gegen das reine Raten. Um jedoch absolute Gewissheit zu erlangen, dass Ihr Lebensstil korrekt abgebildet ist, sollten Sie die Ergebnisse dieser Methode immer mit einer schnellen Zonen-Inventur gegenprüfen.

Die korrekte Versicherungssumme ist das Fundament Ihres finanziellen Schutzes. Nehmen Sie sich die eine Stunde Zeit für eine systematische Inventur. Beginnen Sie noch heute mit der visuellen Erfassung Ihrer Werte und schlafen Sie wieder ruhig, wissend, dass Ihr Besitz im Ernstfall wirklich vollumfänglich geschützt ist.

Geschrieben von Claudia Zürcher, Versicherungsfachfrau VBV und ehemalige Schadensinspektorin. Expertin für Sachversicherungen, Privathaftpflicht und Hausrat mit Fokus auf Schadensabwicklung.