Veröffentlicht am April 18, 2024

Ihre 3a-Zinsen decken kaum die Inflation? Der Wechsel zu einer aktienbasierten Strategie ist der effektivste Weg, um Ihr Vorsorgevermögen wirklich zu vermehren.

  • Aktien liefern langfristig eine nachweislich höhere Rendite als jedes Zinskonto und agieren als starker Inflationsschutz.
  • Die grössten Renditebremsen sind hohe Kosten (TER) und emotionale Panikverkäufe – beides ist mit der richtigen Strategie vermeidbar.

Empfehlung: Beginnen Sie sofort damit, Ihre aktuelle 3a-Lösung auf deren Kosten und die tatsächliche Aktienquote zu überprüfen. Sehen Sie es als den ersten Schritt, die Kontrolle über Ihr Vorsorge-Cockpit zu übernehmen.

Jahrelang war die Säule 3a ein Synonym für ein sicheres Zinskonto bei der Hausbank. Einzahlungsbestätigung abheften, Steuern sparen, fertig. Doch in einer Welt, in der Zinsen nahe null liegen und die Inflation an unserem Ersparten nagt, ist diese Strategie nicht mehr nur unrentabel – sie führt zu einem realen Vermögensverlust. Ihr hart verdientes Geld wird jedes Jahr weniger wert. Das ist die unbequeme Wahrheit, die viele traditionelle Anbieter verschweigen.

Die üblichen Ratschläge sind bekannt: „Früh anfangen“ und „regelmässig einzahlen“. Das ist zwar korrekt, aber es kratzt nur an der Oberfläche. Es ignoriert den wichtigsten Hebel, den Sie in der Hand haben: den Rendite-Motor Ihrer Anlagen. Die Vorstellung, dass die 3. Säule ein passives Sparkässeli ist, ist überholt. Es ist an der Zeit, umzudenken. Betrachten Sie Ihre 3. Säule nicht als Konto, sondern als Ihren persönlichen, privaten Pensionsfonds, den Sie aktiv steuern können und müssen.

Doch wie gelingt der Umstieg, ohne unkalkulierbare Risiken einzugehen? Die Antwort liegt nicht darin, zum Daytrader zu werden, sondern darin, eine disziplinierte, langfristige Investmentstrategie zu verfolgen. Dieser Artikel bricht mit dem Mythos der „sicheren“ Zinsanlage. Wir werden nicht wiederholen, dass Aktien schwanken. Stattdessen zeigen wir Ihnen, wie Sie diese Schwankungen zu Ihrem Vorteil nutzen, wie Sie die berüchtigten Kosten-Lecks aufspüren und schliessen und wie Sie Ihr Risikobudget wie ein Profi verwalten. Wir geben Ihnen die Werkzeuge, um vom passiven Sparer zum aktiven Gestalter Ihrer finanziellen Zukunft zu werden.

In den folgenden Abschnitten führen wir Sie Schritt für Schritt durch die entscheidenden strategischen Überlegungen. Sie lernen, die richtigen Fragen zu stellen und fundierte Entscheidungen für eine renditestarke und trotzdem sichere Altersvorsorge zu treffen.

Warum bringt eine Aktienquote von 40% langfristig zehntausende Franken mehr?

Die Entscheidung für oder gegen Aktien in Ihrer 3. Säule ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine rein mathematische. Während ein 3a-Zinskonto im aktuellen Umfeld kaum die Inflation ausgleicht, arbeitet eine Anlage in Aktien wie ein starker Motor für Ihr Vermögen. Der Zinseszinseffekt entfaltet seine wahre Kraft erst, wenn die jährliche Rendite deutlich über der Teuerungsrate liegt. Eine moderate Aktienquote von 40% oder mehr ist der Schlüssel, um dieses Ziel zu erreichen und über die Jahre ein Vermögen aufzubauen, das mit reinen Zinsanlagen unerreichbar wäre.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Eine Analyse der Handelszeitung zeigt einen Wertzuwachs von bis zu 50% über 5 Jahre bei Vorsorgefonds mit hohem Aktienanteil, während defensive Produkte im selben Zeitraum kaum 20% erreichten. Diese Differenz mag auf kurze Sicht nicht dramatisch erscheinen, aber über einen Anlagehorizont von 20 oder 30 Jahren potenziert sie sich zu Zehn- oder sogar Hunderttausenden von Franken an Mehrvermögen. Der Verzicht auf Aktien ist somit die teuerste „Sicherheit“, die Sie sich kaufen können.

Erfolgsbeispiel aus der Praxis: Swisscanto BVG 3 Portfolio 75

Ein konkretes Beispiel für die Kraft von Aktien in der Vorsorge ist das Produkt «Swisscanto BVG 3 Responsible Portfolio 75 RT». Mit einer Aktienquote von 75% erzielte diese Strategie laut einer Analyse in der NZZ eine beeindruckende Durchschnittsrendite von 8,1% pro Jahr. Anleger, die auf diese Strategie setzten, profitierten massiv von der globalen Aktienmarktentwicklung und liessen konservative Sparer weit hinter sich.

Dieses Wachstum visuell zu erfassen, macht den Unterschied noch deutlicher. Die folgende Grafik illustriert, wie sich zwei identische Sparbeträge über die Zeit entwickeln – einmal auf einem Zinskonto und einmal in einer aktienbasierten 3a-Lösung.

Grafische Darstellung des Vermögenswachstums über 30 Jahre bei unterschiedlichen Anlagestrategien

Wie die Darstellung zeigt, scheren die beiden Vermögenskurven über die Jahre immer weiter auseinander. Der anfänglich kleine Vorsprung der Aktienanlage wird zu einem gewaltigen Abstand. Diese Visualisierung ist keine Garantie für die Zukunft, aber sie verdeutlicht das immense Opportunitätskosten-Risiko, das Sie eingehen, wenn Sie aus reiner Sicherheitsüberlegung auf den Rendite-Motor Aktien verzichten. Es geht nicht darum, alles auf eine Karte zu setzen, sondern darum, einen vernünftigen Teil des Vermögens für sich arbeiten zu lassen.

Wie wählen Sie zwischen Passiv (ETF) und Aktiv-Fonds in Ihrer Police?

Haben Sie sich für den Rendite-Motor Aktien entschieden, folgt die nächste strategische Weichenstellung: Soll Ihr Geld in passive Indexfonds (ETFs) oder in aktiv gemanagte Fonds fliessen? Diese Entscheidung hat einen direkten und massiven Einfluss auf Ihre Nettorendite, denn hier versteckt sich das grösste Kosten-Leck der privaten Vorsorge. Aktiv gemanagte Fonds versprechen durch kluge Aktienauswahl den Markt zu schlagen, verlangen dafür aber hohe Gebühren. Passive Fonds bilden lediglich einen Marktindex wie den SMI ab und sind dadurch extrem kostengünstig.

Der entscheidende Punkt: Langfristig schaffen es nur die wenigsten aktiven Manager, nach Abzug ihrer hohen Kosten eine bessere Performance als der Markt zu erzielen. Sie bezahlen also für eine Leistung, die in den meisten Fällen nicht erbracht wird. Die Gesamtkostenquote (TER) ist hier die zentrale Kennzahl. Während passive 3a-Lösungen oft eine TER von unter 0.4% aufweisen, liegen aktive Fonds nicht selten bei 1.5% oder mehr. Dieser Unterschied von rund 1% pro Jahr frisst über die Jahrzehnte einen erheblichen Teil Ihrer Rendite auf.

Die folgende Tabelle stellt die beiden Ansätze direkt gegenüber und zeigt, wo Ihr Geld wirklich hingeht.

Kosten- und Performancevergleich: Passiv (ETF) vs. Aktiv in der Säule 3a
Kriterium Passive Fonds (ETF/Index) Aktive Fonds
Durchschnittliche Kosten p.a. 0,38% 1,2-1,8%
10-Jahres-Gesamtkosten (CHF 100’000) CHF 3’764 CHF 8’500-13’500
Wahrscheinlichkeit Index zu schlagen 100% (bildet Index ab) <20% langfristig
Transparenz Sehr hoch Oft intransparent

Diese vergleichende Analyse macht deutlich, dass die Kosten der grösste Feind des langfristigen Anlegers sind. Die Wahl einer passiven Strategie ist in den meisten Fällen die rationalere und renditestärkere Entscheidung. Es geht darum, die Marktrendite kostengünstig mitzunehmen, anstatt teuer einer Überrendite hinterherzujagen, die selten eintritt.

Ihr Audit-Plan: Finden Sie das Kosten-Leck in Ihrer 3a-Police

  1. Kontaktpunkte prüfen: Nehmen Sie alle Ihre 3a-Dokumente zur Hand – Jahresauszug, Produktinformationsblatt, Vertragsbedingungen. Markieren Sie jede Stelle, an der Begriffe wie „Gebühren“, „Kommissionen“ oder „Kosten“ erwähnt werden.
  2. Kosten inventarisieren: Listen Sie alle identifizierten Kostenpunkte auf: Gesamtkostenquote (TER), Depotgebühren, Ausgabeaufschläge und versteckte Retrozessionen (oft nur im Kleingedruckten zu finden).
  3. Kohärenz prüfen: Stellen Sie die Gesamtkosten der erzielten Nettorendite gegenüber. Rechtfertigt die Performance die hohen Gebühren Ihres aktiven Fonds im Vergleich zu einem günstigen ETF auf denselben Markt?
  4. Einzigartigkeit vs. Generik identifizieren: Nutzen Sie ein Tool wie Morningstar, um zu prüfen, ob Ihr teurer „aktiver“ Fonds nicht nur heimlich einen Index nachbildet („Closet Indexing“). Ein passiver ETF ist dann die ehrlichere und günstigere Wahl.
  5. Integrationsplan erstellen: Berechnen Sie die absolute Kostendifferenz in Franken über Ihren Anlagehorizont. Ein Wechsel zu einem günstigen Digitalanbieter (z.B. VIAC, finpension) kann das Kosten-Leck sofort schliessen und Tausende Franken sparen.

Volatilität oder Sicherheit: Welches Risiko können Sie sich mit 35 Jahren leisten?

Die grösste Hürde auf dem Weg zu einer renditestarken Vorsorge ist die Angst vor Volatilität – den Kursschwankungen an der Börse. Diese Angst wird oft mit „Risiko“ gleichgesetzt. Doch als langfristiger Investor mit einem Horizont von 10, 20 oder gar 30 Jahren müssen Sie Risiko neu definieren. Ihr grösstes Risiko ist nicht ein temporärer Börsencrash, sondern die schleichende Enteignung durch Inflation. Mit 35 Jahren haben Sie das wertvollste Gut auf Ihrer Seite: Zeit. Zeit glättet die Schwankungen der Märkte und ermöglicht es Ihnen, von Krisen sogar zu profitieren.

Es ist entscheidend, das Risiko zu quantifizieren, um die Angst davor zu verlieren. Was bedeutet ein Börsencrash konkret für Ihr 3a-Depot? Eine historische Analyse für den Schweizer Markt zeigt: Bei einem investierten Vermögen von CHF 50’000 und einer hohen Aktienquote von 80% hätte der maximale historische Verlust während der Finanzkrise 2008 rund CHF 15’000 betragen. Das ist schmerzhaft, keine Frage. Aber dieselbe Analyse zeigt auch, dass solche Verluste im Durchschnitt nach nur 18 Monaten wieder aufgeholt waren. Wer investiert blieb, hatte nach wenigen Jahren sein Vermögen nicht nur zurück, sondern deutlich vermehrt.

Ihr Alter definiert Ihr Risikobudget. Mit 35 Jahren können Sie es sich leisten, ein hohes Risiko einzugehen, denn Sie haben genügend Zeit, um allfällige Krisen „auszusitzen“. Jeder Kursrückgang wird zur Kaufgelegenheit, da Ihre regelmässigen Einzahlungen nun mehr Fondsanteile für dasselbe Geld erwerben (Cost-Average-Effekt). Sicherheit in Form eines Zinskontos ist eine Illusion, die Sie langfristig viel Rendite kostet. Die wahre Sicherheit für einen jungen Sparer liegt in einem langen Anlagehorizont und dem Vertrauen in das langfristige Wachstum der Wirtschaft.

Der Fehler, die Fondspolice im Börsencrash zu kündigen und Verluste zu realisieren

Der grösste Feind des Anlegers ist nicht der Markt, sondern er selbst. Wenn die Börsenkurse fallen und die Schlagzeilen rot leuchten, schlägt die Stunde der Panik. Die emotional getriebene Reaktion, die 3a-Fondspolice zu kündigen und „zu retten, was noch zu retten ist“, ist der häufigste und teuerste Fehler in der privaten Vorsorge. In diesem Moment wandeln Sie einen temporären, buchhalterischen Verlust in einen realen, endgültigen Verlust um. Sie verkaufen auf dem Tiefpunkt und verpassen den anschliessenden Aufschwung, der historisch gesehen immer folgte.

Erfolgreiche Investoren zeichnen sich nicht durch hellseherische Fähigkeiten aus, sondern durch Crash-Disziplin. Sie wissen, dass Korrekturen und sogar Crashs ein normaler Teil des Marktzyklus sind. Statt in Panik zu geraten, sehen sie darin eine Chance. Ihre Strategie ist bereits vor der Krise definiert und wird emotionslos durchgezogen. Das Ziel ist es, ein System zu etablieren, das Sie vor Ihren eigenen irrationalen Impulsen schützt.

Visualisierung der Erholung nach Börsencrashs für langfristige 3a-Sparer

Wie das Bild suggeriert, ist Gelassenheit in turbulenten Zeiten eine erlernbare Fähigkeit. Sie basiert auf Wissen und Vorbereitung. Anstatt täglich die Kurse zu verfolgen und sich verrückt zu machen, sollten Sie eine langfristige Perspektive einnehmen. Um diese Crash-Disziplin zu entwickeln, helfen konkrete Verhaltensregeln:

  • Automatisieren Sie Ihre Einzahlungen: Richten Sie einen monatlichen oder quartalsweisen Dauerauftrag für Ihre 3a-Einzahlungen ein. So kaufen Sie automatisch zu unterschiedlichen Kursen und profitieren vom Durchschnittskosteneffekt, besonders wenn die Kurse niedrig sind.
  • Definieren Sie Ihre Regeln im Voraus: Erstellen Sie ein kurzes, persönliches „Investment Policy Statement“. Schreiben Sie auf, wie hoch Ihre Zuteilung zu Aktien ist und dass Sie bei einem Kursrückgang von 20% nicht verkaufen, sondern an Ihrer Strategie festhalten werden.
  • Reduzieren Sie den Informationslärm: Widerstehen Sie dem Drang, Ihr Depot täglich zu überprüfen. Eine quartalsweise Überprüfung genügt vollkommen, um auf Kurs zu bleiben. Studien zeigen, dass dies emotionale Fehlentscheidungen drastisch reduziert.

Wann sollten Sie von Aktien in sichere Anlagen wechseln, um Ihre Rente zu sichern?

Eine hohe Aktienquote ist der Rendite-Motor in der Aufbauphase. Doch je näher die Pensionierung rückt, desto mehr ändern sich die Prioritäten. Nun geht es nicht mehr primär um die Maximierung der Rendite, sondern um die Sicherung des angesparten Vermögens. Ein Börsencrash kurz vor dem 65. Geburtstag kann verheerend sein, da die Zeit zur Erholung fehlt. Deshalb ist eine schrittweise Reduktion des Aktienanteils – ein sogenanntes De-Risking – ein zentraler Bestandteil jeder professionellen Vorsorgestrategie.

Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie dieser Wechsel stattfinden sollte. Eine bewährte Faustregel ist, etwa 10 bis 15 Jahre vor der Pensionierung mit der schrittweisen Umschichtung zu beginnen. Dabei wird der Anteil an risikoreichen Anlagen (Aktien) langsam reduziert und in risikoärmere, wertstabile Anlagen wie hochwertige Obligationen oder Geldmarktanlagen investiert. Dieser „Glide Path“ sorgt für eine sanfte Landung und schützt Ihr Kapital vor kurzfristigen Marktturbulenzen im entscheidenden Moment.

Eine mögliche De-Risking-Strategie, wie sie von Experten empfohlen wird, könnte wie folgt aussehen:

  1. 10-7 Jahre vor Pensionierung: Reduzieren Sie die Aktienquote von z.B. 80% auf 60%.
  2. 6-4 Jahre vor Pensionierung: Senken Sie den Aktienanteil schrittweise weiter auf 40%.
  3. 3-1 Jahre vor Pensionierung: Fahren Sie die Quote auf ein defensives Niveau von 20-25% zurück.
  4. Im Jahr der Pensionierung: Streben Sie maximale Sicherheit mit nur noch 10-15% Aktien an.

Moderne digitale 3a-Anbieter wie VIAC oder finpension bieten oft automatische „Life Cycle“- oder „Glide Path“-Lösungen an, die diese Umschichtung für Sie übernehmen. Für Anleger, die ihr Portfolio selbst steuern, ist es wichtig, die verfügbaren sicheren Anlageklassen im Schweizer Kontext zu kennen, wie die NZZ in einer Übersicht darstellt.

Sichere Anlagen im Schweizer Kontext für die letzten Vorsorgejahre
Anlageklasse Risiko Erwartete Rendite Eignung für letzte Jahre
Eidgenössische Obligationen Sehr niedrig 0,5-1% Sehr hoch
Schweizer Unternehmensanleihen (AAA) Niedrig 1-2% Hoch
Immobilienfonds Schweiz Mittel 2-4% Mittel
Geldmarkt/Cash Minimal 0-0,5% Sehr hoch

Wann lohnt sich der Wechsel von einem 3a-Zinskonto zu einem Vorsorgefonds?

Viele Sparer fragen sich, ob sich der Aufwand eines Wechsels von ihrem „sicheren“ 3a-Zinskonto zu einer Fondslösung überhaupt lohnt. Die Antwort hängt von einem einzigen Faktor ab: Ihrem Anlagehorizont. Die höheren erwarteten Renditen von Aktienfonds müssen die damit verbundenen Kosten und Schwankungen über die Zeit mehr als ausgleichen. Es gibt einen klaren Break-Even-Punkt, ab dem die Fondslösung mathematisch überlegen ist.

Stellen wir die Rechnung auf: Ein 3a-Konto bietet aktuell vielleicht 0,5% Zins pro Jahr. Ein diversifizierter Vorsorgefonds hat eine erwartete Nettorendite von rund 4% (z.B. 5% Bruttorendite minus 1% Kosten). Die jährliche Mehrrendite beträgt also 3,5%. Auf kurze Sicht mag dieser Unterschied gering sein, aber der Zinseszinseffekt wirkt als starker Hebel. Finanz und Wirtschaft zeigt, dass sich ein Wechsel bereits ab einem Anlagehorizont von fünf bis sieben Jahren lohnt. Haben Sie also noch mehr als sieben Jahre bis zur Pensionierung, ist der Verbleib auf einem Zinskonto eine Entscheidung, die Sie Tausende von Franken an potenzieller Rendite kostet.

Der Wechselprozess selbst ist in der Schweiz standardisiert und einfacher als viele denken. Die neuen digitalen Anbieter haben den Prozess stark vereinfacht und nehmen Ihnen den Grossteil der administrativen Arbeit ab. Sie müssen nicht selbst bei Ihrer alten Bank kündigen. Der Prozess läuft typischerweise wie folgt ab:

  1. Neuen Anbieter auswählen: Entscheiden Sie sich für eine moderne, kostengünstige 3a-Plattform (z.B. VIAC, frankly, finpension).
  2. Online-Konto eröffnen: Die Eröffnung dauert meist nur 10-15 Minuten und erfolgt komplett digital.
  3. Übertragsformular ausfüllen: Direkt im Onboarding-Prozess des neuen Anbieters füllen Sie ein Formular aus, mit dem Sie den Transfer Ihres bestehenden 3a-Guthabens beauftragen.
  4. Abwarten: Der neue Anbieter kontaktiert Ihre alte Bank oder Versicherung und kümmert sich um die gesamte Abwicklung der Kündigung und des Transfers.
  5. Transfer abgeschlossen: Innerhalb von zwei bis vier Wochen wird Ihr Guthaben automatisch auf Ihr neues 3a-Depot übertragen und gemäss Ihrer gewählten Strategie investiert.

Wie passen Sie Ihr Risiko an, wenn Sie noch 20 Jahre bis zur Rente haben?

Ein Anlagehorizont von 20 Jahren ist eine luxuriöse Ausgangslage für Ihre Vorsorge. In dieser Phase ist es nicht nur möglich, sondern strategisch klug, ein höheres Risiko einzugehen. Der grösste Feind Ihres Vermögens ist über diesen langen Zeitraum nicht die Volatilität der Börse, sondern die stetige Geldentwertung durch die Inflation. Ein Zinskonto, das kaum Rendite abwirft, garantiert Ihnen einen realen Kaufkraftverlust. Aktien sind historisch gesehen der beste und zuverlässigste Schutz gegen diese schleichende Enteignung.

Wie Felix Oeschger, ein Experte bei Moneyland, treffend bemerkt:

«Wer langfristig von einem hohen Renditepotenzial profitieren möchte, kommt um Aktien und andere Sachwerte wie Immobilien nicht herum»

– Felix Oeschger, Moneyland Analyse

Daten von AXA belegen dies eindrücklich: Schweizer Aktien, gemessen am SPI, stiegen über 28 Jahre um durchschnittlich 7,7% pro Jahr. Im gleichen Zeitraum brachten Spareinlagen nur magere 0,7% pro Jahr. Mit 20 Jahren Vorlauf können Sie es sich leisten, auf den Rendite-Motor Aktien zu setzen und eine Aktienquote von 80% oder sogar mehr anzustreben. Die Wahrscheinlichkeit, über einen so langen Zeitraum mit einem breit diversifizierten Aktienportfolio Geld zu verlieren, ist historisch gesehen verschwindend gering. Jede Krise wird zu einer Kaufgelegenheit, die Ihre langfristige Rendite sogar noch erhöht.

Praxisbeispiel: Die VIAC Global 100 Strategie

Ein gutes Beispiel für eine auf einen langen Horizont ausgerichtete Strategie ist „VIAC Global 100“. Mit einem Aktienanteil von 97% (davon 37% Schweiz, 40% entwickelte Weltmärkte, 20% Schwellenländer) ist sie auf maximale Rendite ausgelegt. Die breite geografische Diversifikation reduziert Klumpenrisiken, wie z.B. eine alleinige Abhängigkeit vom Schweizer Markt, und nutzt gleichzeitig das Wachstumspotenzial auf der ganzen Welt. Dies ist eine Blaupause für eine mutige, aber intelligente Risikostrategie für Anleger mit einem Horizont von 20+ Jahren.

Ihr Fokus sollte nicht auf der Vermeidung von Schwankungen liegen, sondern auf der Maximierung des Zinseszinseffekts. Eine hohe Aktienquote, kombiniert mit niedrigen Kosten und disziplinierten, regelmässigen Einzahlungen, ist die potenteste Formel, um Ihr Vorsorgeziel nicht nur zu erreichen, sondern zu übertreffen. Passen Sie Ihr Risiko nicht an Ihre Angst an, sondern an Ihren Zeithorizont.

Das Wichtigste in Kürze

  • Langfristig sind Aktien der einzige Weg, um mit der 3. Säule die Inflation deutlich zu schlagen und ein signifikantes Vermögen aufzubauen.
  • Die grössten Renditekiller sind hohe Gebühren (TER) und emotionale Panikverkäufe. Beides kann durch eine passive Strategie und Disziplin vermieden werden.
  • Ihre Anlagestrategie muss dynamisch sein: Hohes Risiko (hohe Aktienquote) in jungen Jahren und eine schrittweise Reduktion (De-Risking) 10-15 Jahre vor der Pensionierung.

Wie wählen Sie zwischen Passiv (ETF) und Aktiv-Fonds in Ihrer Police?

Die Entscheidung zwischen passiven ETFs und aktiven Fonds haben wir bereits aus der Kostenperspektive beleuchtet. Doch jenseits der reinen Zahlen gibt es eine psychologische Dimension, die für den langfristigen Erfolg entscheidend ist. Die Wahl der richtigen Strategie ist auch eine Frage der Persönlichkeit und des Temperaments. Die beste Strategie ist nutzlos, wenn Sie sie beim ersten Gegenwind über Bord werfen. Fragen Sie sich also: Welcher Anlegertyp bin ich?

Die passive Strategie mit ETFs ist die Strategie des disziplinierten Realisten. Sie akzeptieren, dass es extrem schwierig ist, den Markt zu schlagen. Ihr Ziel ist es, die Marktrendite so kostengünstig wie möglich zu erzielen. Diese Strategie erfordert Vertrauen in das langfristige Wachstum der globalen Wirtschaft und die stoische Gelassenheit, auch in Krisen einfach nichts zu tun und dem System zu vertrauen. Es ist eine „Set-it-and-forget-it“-Mentalität, die paradoxerweise eine hohe emotionale Disziplin erfordert. Wenn Sie jemand sind, der gerne die Kontrolle abgibt, Prozessen vertraut und sich nicht von täglichen Nachrichten verrückt machen lässt, ist der passive Ansatz ideal für Sie.

Die aktive Strategie hingegen spricht den Optimisten an, der an die Fähigkeit eines Experten glaubt, bessere Entscheidungen zu treffen. Sie delegieren die Aktienauswahl an einen Fondsmanager und bezahlen ihn für seine Expertise. Diese Strategie erfordert ein hohes Mass an Vertrauen in die Fähigkeiten dieses Managers. Sie müssen daran glauben, dass er die hohen Gebühren durch eine überdurchschnittliche Performance rechtfertigen kann. Wenn Sie dazu neigen, Entscheidungen gerne an Spezialisten abzugeben und bereit sind, für eine potenziell (aber nicht garantiert) höhere Rendite auch mehr zu bezahlen, könnte ein sorgfältig ausgewählter aktiver Fonds zu Ihnen passen. Seien Sie sich jedoch bewusst, dass Sie die Performance regelmässig und kritisch überprüfen müssen.

Es gibt hier keine universell „richtige“ Antwort, nur eine, die zu Ihnen passt. Ein günstiger ETF, den Sie in der Krise panisch verkaufen, ist eine schlechtere Wahl als ein teurerer aktiver Fonds, dem Sie auch in schwierigen Zeiten die Treue halten. Die ehrlichste Selbstreflexion über Ihr eigenes Verhalten und Ihre Überzeugungen ist der Schlüssel zur Wahl der nachhaltigsten Strategie.

Übernehmen Sie jetzt das Steuer Ihres Vorsorge-Cockpits. Analysieren Sie Ihre aktuelle 3a-Lösung und wechseln Sie zu einer kostengünstigen, aktienbasierten Strategie, die zu Ihrem Anlagehorizont passt. Jeder Monat des Zögerns kostet Sie bares Geld an entgangener Rendite.

Geschrieben von Thomas Aebischer, Unabhängiger Finanzplaner mit eidg. Fachausweis und Experte für private Vorsorge. Über 20 Jahre Erfahrung in der Banken- und Versicherungswelt mit Fokus auf Säule 3a und Steueroptimierung.