
Die perfekte Autoversicherung in der Schweiz ist keine Frage des günstigsten Anbieters, sondern der intelligentesten Konfiguration.
- Die grössten Kostenfallen lauern bei jungen Lenkern und bei der Wahl der Kaskodeckung für ältere Fahrzeuge.
- System-Vorteile wie der Bonusschutz und das Wechselschild bieten erhebliches, oft ungenutztes Sparpotenzial.
Empfehlung: Analysieren Sie Ihr persönliches Fahrerprofil und den Fahrzeugwert, um Ihre Deckungs-Architektur gezielt anzupassen, statt eine Standardlösung zu akzeptieren.
Sie erhalten Ihre jährliche Prämienrechnung für die Autoversicherung und der Betrag scheint willkürlich hoch? Sie fragen sich, ob Sie für Leistungen bezahlen, die Sie gar nicht benötigen, oder ob im Ernstfall eine empfindliche Lücke in Ihrer Deckung klafft? Dieses Gefühl der Unsicherheit kennen viele Schweizer Fahrzeughalter. Oft beschränkt sich die Optimierung darauf, oberflächlich Offerten zu vergleichen oder den Selbstbehalt anzupassen. Das sind zwar notwendige Schritte, aber sie kratzen nur an der Oberfläche.
Die wahre Kunst der Kosten-Nutzen-Optimierung liegt tiefer verborgen. Es geht nicht darum, die billigste Police zu finden, sondern die intelligenteste. Was wäre, wenn Ihre Versicherung kein starres Kostenpaket wäre, sondern ein anpassbares Werkzeug? Wenn Sie die Logik hinter den Prämien verstehen und die entscheidenden Systemhebel des Schweizer Versicherungswesens kennen würden, könnten Sie Ihre Police aktiv gestalten. Die zentrale These dieses Artikels ist: Statt Prämien passiv zu akzeptieren, können Sie eine präzise Deckungs-Architektur bauen, die exakt auf Ihr persönliches Risiko-Portfolio zugeschnitten ist.
Wir werden uns nicht mit allgemeinen Ratschlägen aufhalten. Stattdessen analysieren wir acht konkrete Szenarien, mit denen fast jeder Autofahrer in der Schweiz konfrontiert wird. Von der heiklen Frage der Junglenker über die Tücken des Leasings bis zum richtigen Zeitpunkt für den Wechsel von Voll- auf Teilkasko – jeder Abschnitt enthüllt einen spezifischen Hebel, mit dem Sie die Kontrolle über Ihre Kosten und Ihren Schutz zurückgewinnen. Bereiten Sie sich darauf vor, Ihre Versicherung nicht mehr als Belastung, sondern als strategisches Instrument zu sehen.
Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Stellschrauben Ihrer Autoversicherung. Der folgende Sommaire gibt Ihnen einen Überblick über die spezifischen Themen, die wir beleuchten, um Ihre Police perfekt auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen.
Sommaire: Die Hebel zur massgeschneiderten Autoversicherung in der Schweiz
- Warum wird die Prämie teurer, wenn auch der 18-jährige Sohn das Auto fährt?
- Wie schützen Sie Ihr Bonusstufe, auch wenn Sie einen Unfall bauen?
- Vollkasko-Pflicht: Welche Deckung schreibt die Leasingbank zwingend vor?
- Wie versichern Sie zwei Autos auf einem Schild und was sparen Sie dabei?
- Wie wird die Prämie verrechnet, wenn Sie das Auto im Juli verkaufen?
- Basis-Schutz oder Vollkasko: Welche Deckung lohnt sich bei einem Fahrzeugwert unter 5.000 CHF?
- Warum lohnt sich Vollkasko oft nur in den ersten 4-5 Jahren?
- Wann ist der Wechsel von Vollkasko auf Teilkasko finanziell sinnvoll?
Warum wird die Prämie teurer, wenn auch der 18-jährige Sohn das Auto fährt?
Die Aufnahme eines Junglenkers in die Police führt oft zu einem Prämienschock. Dies ist keine Bestrafung, sondern eine rein statistische Risikobewertung. Versicherer kalkulieren auf Basis von Unfallstatistiken, und diese zeigen für junge Fahrer unter 25 Jahren ein signifikant höheres Unfallrisiko. Die fehlende Fahrpraxis und eine höhere Risikobereitschaft sind die Hauptgründe. Eine aktuelle Studie von bonus.ch zeigt einen 141% durchschnittlichen Aufschlag für 18-jährige im Vergleich zu 30-jährigen Lenkern, was einer Mehrprämie von über 2’500 CHF entsprechen kann. Nationalität und Herkunft können diesen Faktor weiter verstärken; so zahlt ein 18-jähriger Lenker aus dem Kosovo teils viermal so viel wie ein gleichaltriger Schweizer.
Diese Kosten passiv hinzunehmen, ist jedoch nur eine Option. Eine aktive Präzisions-Steuerung des Risikos ist möglich. Statt den Sohn einfach auf die Familienkutsche anzumelden, gibt es intelligentere Wege. Diese Strategien zielen darauf ab, das statistische Risiko für den Versicherer nachweislich zu senken:
- Eigenes Fahrzeug für den Sohn: Der Kauf eines günstigen, leistungsschwachen Gebrauchtwagens auf den Namen des Sohnes kann langfristig günstiger sein. Er beginnt sofort, seinen eigenen, unfallfreien Bonus aufzubauen.
- Telematik-Versicherungen: Einige Anbieter belohnen eine sichere Fahrweise. Ein kleines Gerät im Auto zeichnet das Fahrverhalten auf. Vorausschauendes und defensives Fahren führt direkt zu Prämienrabatten.
- Spezielle Junglenker-Modelle: Versicherer wie AXA bieten mit dem „Safe Driver Bonus“ Rabatte von bis zu 15% für junge Fahrer an, die sich zu sicherem Fahren verpflichten.
- Fahrsicherheitstrainings: Der absolvierte Nachweis eines professionellen Fahrsicherheitstrainings (z.B. beim TCS) wird von vielen Versicherungen mit einer Prämienreduktion honoriert, da es die Fahrzeugbeherrschung nachweislich verbessert.
Die Entscheidung hängt von der individuellen Familiensituation ab. Es geht darum, das Risiko nicht nur zu versichern, sondern es aktiv zu managen und dem Versicherer zu signalisieren, dass die statistische Gefahr in Ihrem konkreten Fall geringer ist.
Wie schützen Sie Ihr Bonusstufe, auch wenn Sie einen Unfall bauen?
Das Bonus-Malus-System in der Schweiz belohnt unfallfreies Fahren mit Prämienrabatten (Bonus) und bestraft Schäden mit einer Rückstufung und somit höheren Prämien (Malus). Ein einziger selbstverschuldeter Unfall kann die über Jahre aufgebaute, tiefe Bonusstufe zunichtemachen. Die Folge ist eine markante Prämienerhöhung, die sich über mehrere Jahre summiert. Im günstigsten Fall kann die Prämie nach einem Schadenfall um mindestens 28,6% ansteigen. Bei einer Jahresprämie von 1’000 CHF bedeutet dies über fünf Jahre Mehrkosten von rund 850 Franken.
Genau hier kommt der Bonusschutz ins Spiel. Diese Zusatzdeckung ist eine Art Versicherung für Ihre Bonusstufe. Gegen eine relativ geringe Mehrprämie verzichtet der Versicherer im Schadenfall (meist ein Schaden pro Jahr) auf die Rückstufung im Bonus-Malus-System. Sie melden den Schaden, er wird reguliert, aber Ihre Prämie bleibt im Folgejahr unverändert tief. Der Bonusschutz ist somit ein strategisches Instrument zur Stabilisierung Ihrer Versicherungskosten.

Die Entscheidung für oder gegen einen Bonusschutz ist eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung. Vergleichen Sie die jährlichen Mehrkosten für den Bonusschutz mit der potenziellen Prämienerhöhung im Schadenfall. Insbesondere für Fahrer, die auf eine stabile und planbare Kostenstruktur angewiesen sind oder in städtischen Gebieten mit höherem Unfallrisiko unterwegs sind, ist der Bonusschutz oft eine finanziell sehr sinnvolle Investition. Er kauft Ihnen im Wesentlichen die Sicherheit, dass ein kleines Missgeschick nicht zu einer mehrjährigen finanziellen Belastung wird.
Vollkasko-Pflicht: Welche Deckung schreibt die Leasingbank zwingend vor?
Wenn Sie ein Fahrzeug leasen, sind Sie nicht dessen Eigentümer. Eigentümerin bleibt die Leasinggesellschaft, bis das Fahrzeug am Ende der Vertragslaufzeit vollständig bezahlt oder übernommen wird. Aus diesem Grund hat die Bank ein vitales Interesse daran, den Wert ihres Eigentums umfassend abzusichern. Sie überlässt die Wahl der Versicherungsdeckung daher nicht Ihnen. Im Gegensatz zum Fahrzeugkauf, wo Sie frei entscheiden können, ist bei einem Leasingvertrag eine obligatorische Vollkaskoversicherung die absolute Regel.
Die Vollkasko deckt selbstverschuldete Kollisionsschäden am eigenen Fahrzeug und ist die umfassendste Absicherung. Doch die Anforderungen der Leasingbanken gehen oft noch weiter. Sie definieren eine minimale Deckungs-Architektur, die Sie abschliessen müssen. Das Ziel ist, jegliches finanzielles Risiko für die Bank auszuschliessen. Zu den typischen obligatorischen Bausteinen gehören:
- Zeitwertzusatz- oder GAP-Versicherung: Diese Deckung ist entscheidend. Bei einem Totalschaden ersetzt die Versicherung oft nur den Zeitwert des Fahrzeugs. Dieser kann aber unter der noch offenen Restschuld des Leasingvertrags liegen. Die GAP-Deckung schliesst genau diese finanzielle Lücke.
- Parkschadenversicherung: Schäden durch unbekannte Dritte beim Parkieren sind häufig. Leasingbanken verlangen oft diese Deckung, meist mit einem sehr tiefen Selbstbehalt (z.B. max. 200 CHF).
- Erweiterte Glasdeckung: Oft wird eine Deckung für alle Glasarten (inkl. Scheinwerfer) ohne Selbstbehalt gefordert.
- Grobfahrlässigkeitsschutz: Damit die Versicherung auch leistet, wenn Sie beispielsweise eine rote Ampel überfahren haben.
Ein wichtiger Punkt: Auch wenn die Leasingbank die Art der Deckung vorschreibt, haben Sie in der Schweiz das Recht auf freie Wahl des Versicherungsanbieters. Sie sind nicht verpflichtet, die Versicherungslösung zu akzeptieren, die Ihnen der Autohändler oder die Bank vorschlägt. Ein Vergleich verschiedener Anbieter, die das geforderte Deckungspaket anbieten, ist absolut empfehlenswert und kann zu erheblichen Einsparungen führen.
Wie versichern Sie zwei Autos auf einem Schild und was sparen Sie dabei?
Besitzen Sie zwei Fahrzeuge, beispielsweise ein Alltagsauto und ein Cabrio für den Sommer, müssen Sie nicht zwingend zwei separate Versicherungen mit zwei vollen Prämien und Verkehrssteuern bezahlen. Das Schweizer System bietet hier einen eleganten und kostensparenden Hebel: das Wechselschild. Mit einem Wechselschild können Sie zwei Fahrzeuge der gleichen Fahrzeugart (z.B. zwei Personenwagen) mit demselben Kontrollschild abwechselnd fahren. Sie montieren das Schild einfach an dem Fahrzeug, das Sie gerade nutzen möchten.
Der finanzielle Vorteil ist erheblich. Statt doppelter Kosten in fast allen Bereichen, profitieren Sie von signifikanten Reduktionen. Ein Praxisbeispiel aus der Schweiz zeigt eine Ersparnis von bis zu 1’400 Franken pro Jahr. Der Spareffekt ergibt sich aus mehreren Komponenten, die in der folgenden Gegenüberstellung klar ersichtlich werden:
| Kostenart | Zwei Einzelnummern | Wechselschild |
|---|---|---|
| Verkehrssteuer | Für beide Fahrzeuge voll | Nur für das Fahrzeug mit dem höheren Steuersatz |
| Haftpflichtversicherung | Für beide Fahrzeuge voll | Nur für das Fahrzeug mit der höheren Prämie |
| Kaskoversicherung | Volle Prämie für beide Fahrzeuge | Volle Prämie für das teurere, reduzierte Prämie für das Zweitfahrzeug |
| Autobahnvignette | 2x CHF 40 | 1x CHF 40 (dank E-Vignette seit 2024 an Halter gebunden) |
Die Logik dahinter ist einfach: Da immer nur ein Fahrzeug gleichzeitig auf der Strasse sein kann, muss das Risiko auch nur einmal voll versichert werden. Das zweite Fahrzeug geniesst in der Regel eine stark rabattierte Kaskoprämie, die oft nur noch Schäden auf dem Privatgrundstück (z.B. durch Marder oder Hagel) abdeckt. Voraussetzung ist, dass beide Fahrzeuge am selben Standort parkiert sind. Für Halter von Saisonfahrzeugen, Oldtimern oder einem Zweitwagen ist das Wechselschild somit einer der wirksamsten Hebel zur Reduktion der jährlichen Fixkosten.
Wie wird die Prämie verrechnet, wenn Sie das Auto im Juli verkaufen?
Sie haben Ihr Auto verkauft und den Fahrzeugausweis annullieren lassen. Viele Fahrzeughalter glauben, dass damit auch der Versicherungsvertrag automatisch endet. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Der Versicherungsvertrag läuft weiter, bis Sie ihn aktiv kündigen. Die im Voraus bezahlte Jahresprämie wird nicht automatisch zurückerstattet. Sie müssen selbst aktiv werden, um die zu viel bezahlten Monate zurückzufordern.
Der Prozess ist standardisiert, erfordert aber Ihre Initiative. Sobald der Verkauf abgeschlossen und der Fahrzeugausweis beim Strassenverkehrsamt annulliert wurde, müssen Sie dies Ihrer Versicherung melden. Diese erstellt dann eine taggenaue Schlussabrechnung. Haben Sie Ihre Prämie für das ganze Jahr im Voraus bezahlt und das Auto am 1. Juli verkauft, haben Sie Anspruch auf die Rückerstattung der Prämie für die zweite Jahreshälfte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sistierung Ihrer Bonusstufe. Wenn Sie nicht sofort ein neues Auto kaufen, können Sie Ihre aktuell tiefe Bonusstufe für ein bis zwei Jahre „einfrieren“ lassen. So starten Sie beim nächsten Autokauf nicht wieder bei null.

Um sicherzustellen, dass Sie kein Geld verschenken und alle administrativen Schritte korrekt ausführen, ist eine strukturierte Vorgehensweise unerlässlich. Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Aktionen zusammen.
Ihr Aktionsplan für die Versicherungsabwicklung beim Autoverkauf
- Sofortige Information: Melden Sie den Verkauf unverzüglich Ihrer Versicherungsgesellschaft. Ein Anruf oder eine E-Mail genügt oft als erster Schritt.
- Nachweis erbringen: Senden Sie eine Kopie des vom Strassenverkehrsamt annullierten Fahrzeugausweises an die Versicherung. Das ist der offizielle Beleg.
- Abrechnung prüfen: Warten Sie auf die Schlussabrechnung und kontrollieren Sie, ob die Prämie taggenau storniert wurde.
- Bonusstufe sichern: Beantragen Sie aktiv die Sistierung Ihrer Bonusstufe, falls Sie nicht direkt ein neues Fahrzeug einlösen. Notieren Sie sich die Gültigkeitsdauer.
- Vertrag kündigen: Senden Sie eine formelle Kündigung des Versicherungsvertrags, um sicherzustellen, dass dieser rechtlich beendet ist und keine unerwarteten Kosten entstehen.
Basis-Schutz oder Vollkasko: Welche Deckung lohnt sich bei einem Fahrzeugwert unter 5.000 CHF?
Die Frage nach der richtigen Kaskodeckung ist zentral für die Gestaltung Ihres Risiko-Portfolios. Während die Haftpflichtversicherung obligatorisch ist, sind Teil- und Vollkasko freiwillige Zusatzversicherungen. Die Vollkasko deckt zusätzlich zur Teilkasko auch selbstverschuldete Kollisionsschäden. Doch diese umfassende Deckung hat ihren Preis. Laut FinanceScout24 liegen die durchschnittlichen Kosten für Teilkasko bei rund 733 Franken jährlich, während die Vollkasko mit 1’492 Franken zu Buche schlägt. Bei einem Fahrzeug mit geringem Restwert stellt sich daher die Frage: Ist der hohe Aufpreis für die Vollkasko noch gerechtfertigt?
Als Faustregel gilt: Je geringer der Wert des Fahrzeugs, desto weniger lohnt sich eine Vollkaskoversicherung. Bei einem Fahrzeugwert von unter 5’000 CHF ist die Prämie für die Vollkasko oft unverhältnismässig hoch im Vergleich zur maximalen Entschädigung im Totalschadensfall. Die Teilkasko hingegen bleibt oft sinnvoll. Sie deckt Risiken, die vom Fahrzeugwert unabhängig sind, wie Diebstahl, Glasbruch, Marderschäden oder teure Hagelschäden. Besonders in hagelgefährdeten Kantonen wie Bern oder Jura kann der Verzicht auf die Teilkasko ein grosses finanzielles Risiko darstellen.
Die Entscheidung ist letztlich eine persönliche Risikoabwägung, die auf rationalen Kriterien basieren sollte:
- Finanzielle Reserven: Könnten Sie den Verlust des Fahrzeugs bei einem selbstverschuldeten Totalschaden finanziell aus eigener Tasche tragen, ohne in Schwierigkeiten zu geraten? Wenn ja, ist der Verzicht auf die Vollkasko eine überlegenswerte Option.
- Prämiendifferenz: Berechnen Sie die Differenz zwischen der Vollkasko- und der Teilkaskoprämie. Multiplizieren Sie diesen Betrag mit fünf Jahren. Ist das Ergebnis höher als der aktuelle Fahrzeugwert? Wenn ja, ist ein Wechsel zur Teilkasko finanziell sehr wahrscheinlich sinnvoll.
- Nutzungsprofil: Fahren Sie nur sehr wenige Kilometer pro Jahr und sind ein extrem sicherer Fahrer? Ihr persönliches Unfallrisiko kann die Entscheidung ebenfalls beeinflussen.
Für Fahrzeuge unter 5’000 CHF ist die Vollkasko meist ein Luxus, keine Notwendigkeit. Eine solide Teilkasko bietet einen guten Basisschutz gegen unkalkulierbare externe Risiken, ohne das Budget mit Prämien für einen Schutz zu belasten, dessen maximaler Nutzen den Fahrzeugwert kaum übersteigt.
Warum lohnt sich Vollkasko oft nur in den ersten 4-5 Jahren?
Eine Vollkaskoversicherung ist bei einem Neuwagen oder einem jungen Occasionsfahrzeug fast immer die richtige Wahl. Der Hauptgrund liegt in der sogenannten Wertverlust-Dynamik. Ein neues Auto verliert in den ersten Jahren extrem schnell an Wert. Bei einem Totalschaden nach zwei Jahren würde eine Versicherung ohne Zusatzdeckung nur den aktuellen, bereits stark gesunkenen Zeitwert ersetzen. Diese Summe würde kaum ausreichen, um ein gleichwertiges neues Fahrzeug zu beschaffen.
Um diese Lücke zu schliessen, bieten Schweizer Versicherer den Zeitwertzusatz an, der meist integraler Bestandteil der Vollkasko für junge Fahrzeuge ist. Dieser Zusatz garantiert, dass Sie im Totalschadensfall eine Entschädigung erhalten, die deutlich über dem aktuellen Marktwert liegt. Im Mittel erhalten Sie eine Erstattung, die 20% über dem Marktwert liegt, oder in den ersten ein bis zwei Jahren sogar den vollen Neupreis. Diese Neuwertentschädigung ist in der Regel nur für Fahrzeuge erhältlich, die nicht älter als fünf Jahre sind. Nach etwa vier bis fünf Jahren flacht die Wertverlustkurve des Fahrzeugs deutlich ab. Die Differenz zwischen Zeitwert und Wiederbeschaffungswert wird kleiner, und der teure Vollkaskoschutz verliert an relativem Nutzen.
Allerdings ist die 4-5-Jahres-Regel keine in Stein gemeisselte Vorschrift. Es gibt wichtige Ausnahmen, bei denen eine längere Vollkaskodeckung absolut sinnvoll sein kann:
- Elektroautos: Die Batterie ist das teuerste Bauteil. Eine Beschädigung kann auch bei einem älteren E-Auto zu extrem hohen Reparaturkosten führen, die eine Vollkasko rechtfertigen.
- Fahrzeuge mit teuren Spezialteilen: Autos mit Carbon-Karosserieteilen oder speziellen Lackierungen haben auch nach mehreren Jahren hohe Reparaturkosten bei Kollisionsschäden.
- Tiefe Bonusstufe: Wenn Sie sich auf der tiefsten Bonusstufe befinden, kann die Prämiendifferenz zwischen Voll- und Teilkasko so gering sein, dass sich der Beibehalt der Vollkasko für den umfassenderen Schutz lohnt.
- Leasingfahrzeuge: Wie bereits erwähnt, ist hier die Vollkasko während der gesamten Leasingdauer obligatorisch, unabhängig vom Fahrzeugalter.
Die 4-5-Jahres-Marke ist also ein wichtiger Richtwert, der Sie zu einer aktiven Überprüfung Ihrer Police anregen sollte, aber keine automatische Kündigungsfrist.
Das Wichtigste in Kürze
- Die hohen Prämien für Junglenker sind eine reine Risikokalkulation. Mit gezielten Strategien wie Telematik-Versicherungen oder Fahrsicherheitstrainings können Sie dieses Risiko aktiv senken.
- Der Bonusschutz ist eine strategische Investition in die Planbarkeit Ihrer Kosten. Er verhindert, dass ein einzelner Schaden zu einer mehrjährigen Prämienerhöhung führt.
- Die Wertverlust-Dynamik Ihres Autos ist der Schlüssel zur Kasko-Entscheidung. Eine Vollkasko ist in den ersten 4-5 Jahren wegen des Zeitwertzusatzes essenziell, danach wird ein Wechsel zur Teilkasko oft finanziell sinnvoll.
Wann ist der Wechsel von Vollkasko auf Teilkasko finanziell sinnvoll?
Der Übergang von einer Vollkaskoversicherung zu einer Teilkaskoversicherung ist einer der wichtigsten Hebel zur Optimierung Ihrer Versicherungskosten. Diesen Schritt zur richtigen Zeit zu machen, kann Ihnen jährlich mehrere hundert Franken sparen. Ihn zu verpassen, bedeutet, für einen Schutz zu bezahlen, dessen Nutzen in keinem Verhältnis mehr zur Prämie steht. Der ideale Zeitpunkt ist nicht an ein fixes Datum gebunden, sondern das Ergebnis einer Analyse Ihres persönlichen Risiko-Portfolios.
Der entscheidende Faktor ist das Verhältnis zwischen der Vollkasko-Prämie und dem aktuellen Wert Ihres Fahrzeugs. Eine gängige Faustregel besagt: Wenn die Jahresprämie der Vollkasko mehr als 15% des Fahrzeugwerts ausmacht, ist ein Wechsel dringend zu empfehlen. Wenn Ihr Auto also noch 8’000 CHF wert ist und die Vollkasko über 1’200 CHF kostet, bezahlen Sie zu viel. Ein weiterer kritischer Punkt sind Ihre finanziellen Rücklagen. Können Sie einen selbstverschuldeten Totalschaden verkraften und ein Ersatzfahrzeug aus eigener Tasche finanzieren? Wenn die Antwort „Ja“ lautet, ist die Notwendigkeit einer Vollkasko deutlich geringer.

Um die Entscheidung zu strukturieren, kann ein einfacher Entscheidungsbaum helfen:
- Handelt es sich um ein Leasingfahrzeug? → Ja: Vollkasko beibehalten (obligatorisch). Nein: Weiter zu Punkt 2.
- Liegt der aktuelle Fahrzeugwert unter 8’000 CHF? → Ja: Wechsel ernsthaft prüfen. Nein: Vollkasko kann noch sinnvoll sein, insbesondere bei teuren Reparaturen (z.B. E-Autos).
- Übersteigt die Vollkasko-Jahresprämie 15% des Fahrzeugwerts? → Ja: Wechsel wird dringend empfohlen. Nein: Kosten-Nutzen-Verhältnis prüfen.
- Haben Sie genügend finanzielle Reserven für einen Ersatz? → Ja: Der Wechsel zur Teilkasko ist eine risikoarme Option.
Wenn Sie sich für den Wechsel entscheiden, beachten Sie die Kündigungsfristen. Die meisten Verträge in der Schweiz können ordentlich per 31. Dezember gekündigt werden, wobei die Kündigung bis zum 30. September beim Versicherer eintreffen muss. Ein Sonderkündigungsrecht besteht zudem bei einer Prämienerhöhung oder nach jedem bezahlten Schadenfall.
Sie halten nun die Werkzeuge in der Hand. Der nächste Schritt ist, Ihre aktuelle Police zu analysieren und diese Hebel gezielt anzuwenden. Beginnen Sie jetzt mit der Konfiguration einer Versicherung, die wirklich zu Ihnen passt.