
Zusammenfassend:
- Der Wechsel der Grundversicherung ist kein reiner Spar-Akt, sondern ein strategischer Schachzug, um die Kontrolle über Ihre Gesundheitskosten zurückzugewinnen.
- Die entscheidende Frist ist nicht der Poststempel, sondern der Eingang Ihrer Kündigung bei der Kasse bis zum 30. November – Versand per Einschreiben ist Pflicht.
- Eine günstige Prämie ist nicht alles; analysieren Sie den Service und die digitalen Angebote, um im Krankheitsfall nicht im Regen zu stehen.
- Trennen Sie Grund- und Zusatzversicherung bewusst, um das Beste aus beiden Welten zu kombinieren, aber kommunizieren Sie dies unmissverständlich, um Lücken zu vermeiden.
Jedes Jahr im Herbst landet er in unseren Briefkästen: der Brief, den niemand öffnen will. Die Ankündigung der neuen Krankenkassenprämien für das kommende Jahr ist für viele Haushalte in der Schweiz ein Moment des Frustes. Die Kosten steigen scheinbar unaufhaltsam, und das Gefühl der Ohnmacht wächst. Viele nehmen die Erhöhung zähneknirschend hin, abgeschreckt von der Vorstellung eines administrativen Spiessrutenlaufs. Die üblichen Ratschläge sind bekannt: Prämien vergleichen, pünktlich kündigen, vielleicht das Versicherungsmodell anpassen. Doch diese oberflächlichen Tipps kratzen nur an der Oberfläche eines Systems, das von Trägheit und Komplexität profitiert.
Die Wahrheit ist: Die passive Haltung ist die teuerste Option. Sie zahlen nicht nur zu viel, Sie geben auch die Kontrolle ab. Aber was, wenn der Wechsel der Krankenkasse kein lästiges Übel, sondern ein strategischer Schachzug ist? Ein Akt der Selbstermächtigung, mit dem Sie nicht nur Hunderte von Franken pro Jahr sparen, sondern dem System auch zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Es geht darum, die Spielregeln zu kennen, die psychologischen Hürden zu überwinden und die versteckten Fallstricke zu umgehen, die Versicherer nur zu gerne auslegen. Dieser Wechsel ist Ihre Chance, eine bewusste Entscheidung für Ihre Finanzen und Ihre Gesundheitsversorgung zu treffen.
Dieser Leitfaden ist Ihr Schlachtplan. Wir führen Sie durch die kritischen Etappen, bewaffnen Sie mit dem nötigen Wissen und zeigen Ihnen, wie Sie die typischen Fehler vermeiden. Von der rechtssicheren Kündigung über die kluge Wahl der Franchise bis hin zur strategischen Kombination verschiedener Anbieter – nach der Lektüre werden Sie bereit sein, den Spiess umzudrehen.
Um Ihnen den Weg zum erfolgreichen und pannenfreien Kassenwechsel zu ebnen, haben wir diesen Artikel in übersichtliche Etappen gegliedert. Das folgende Inhaltsverzeichnis dient Ihnen als Wegweiser durch die entscheidenden strategischen Überlegungen.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Schlachtplan für den Kassenwechsel
- Warum zahlen Sie im gleichen Kanton bis zu 50 CHF mehr pro Monat für dieselbe Leistung?
- Wie formulieren Sie das Kündigungsschreiben, damit es sicher rechtzeitig ankommt?
- Günstigste Prämie oder schneller Service: Was zählt wirklich im Krankheitsfall?
- Das Risiko, beim Wechsel der Grundversicherung versehentlich die Zusatzversicherung zu verlieren
- Wie kombinieren Sie die günstigste Grundversicherung mit der besten Zusatzversicherung bei zwei Anbietern?
- Wie timen Sie den Vergleich, um nicht in der automatischen Vertragsverlängerung festzustecken?
- Wie ändern Sie Ihre Franchise online, ohne die Frist im Dezember zu verpassen?
- Wie berechnen Sie, ob sich die Franchise 300 oder 2500 CHF für Sie wirklich lohnt?
Warum zahlen Sie im gleichen Kanton bis zu 50 CHF mehr pro Monat für dieselbe Leistung?
Es ist das grösste Ärgernis im Schweizer Gesundheitssystem: Zwei Nachbarn im selben Haus, mit derselben Franchise und demselben Versicherungsmodell, zahlen für die exakt gleichen gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen der Grundversicherung massiv unterschiedliche Prämien. Der Grund liegt in der Zersplitterung des Marktes. Jede Krankenkasse kalkuliert ihre Prämien basierend auf den Kosten ihrer eigenen Versicherten in einer bestimmten Prämienregion. Hat eine Kasse überdurchschnittlich viele ältere oder kranke Versicherte, steigen die Kosten und somit die Prämien für alle Versicherten dieser Kasse. Das Resultat ist eine Prämien-Lotterie, bei der treue Kunden oft die Verlierer sind.
Die Unterschiede sind frappant. Eine Analyse der BAG-Daten durch die NZZ zeigt die extremen kantonalen Unterschiede: Während die mittlere Prämie in Genf bei 572 Franken liegt, beträgt sie in Appenzell-Innerrhoden nur 309 Franken. Doch selbst innerhalb eines Kantons klaffen die Prämien um bis zu 50 Franken pro Monat oder 600 Franken pro Jahr auseinander. Warum also mehr bezahlen? Oft rechtfertigen teurere Kassen ihre Preise mit besserem Service. Doch hier ist Vorsicht geboten. Während einige Anbieter tatsächlich moderne Apps mit Scan-Funktion und eine schnelle Rückerstattung binnen weniger Tage bieten, kämpfen Kunden bei anderen, trotz hoher Prämie, mit veralteten Portalen und wochenlangen Wartezeiten auf ihr Geld. Die gesetzlichen Leistungen bleiben identisch – der Unterschied liegt allein in der Effizienz der Verwaltung und der digitalen Infrastruktur.
Wie formulieren Sie das Kündigungsschreiben, damit es sicher rechtzeitig ankommt?
Die Kündigung ist der kritischste Schritt im Wechselprozess. Ein einziger Fehler kann Sie für ein weiteres Jahr an Ihre teure Kasse binden. Die oberste Regel lautet: Es zählt nicht das Datum des Poststempels, sondern der Tag, an dem Ihr Kündigungsschreiben physisch bei der Krankenkasse eintrifft. Die absolute Deadline ist der letzte Arbeitstag im November. Um jegliches Risiko auszuschliessen, sollten Sie die Kündigung daher spätestens Mitte November abschicken. Der einzig sichere Weg dafür ist der Versand per Einschreiben. Nur so erhalten Sie einen rechtlich bindenden Nachweis, dass Ihre Kündigung fristgerecht zugestellt wurde. Heben Sie die Sendungsnummer und den Beleg sorgfältig auf, bis Sie die schriftliche Kündigungsbestätigung Ihrer alten Kasse erhalten haben.
Das Schreiben selbst muss keine literarische Meisterleistung sein, aber es muss unmissverständlich formuliert sein. Um Fehler zu vermeiden, empfiehlt sich die Verwendung eines Musterbriefs, wie er vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Verfügung gestellt wird. Wesentlich ist, dass alle versicherten Personen, die wechseln möchten, namentlich mit ihrer Versichertennummer aufgeführt werden. Fordern Sie im Schreiben explizit eine schriftliche Bestätigung des Kündigungseingangs. Dies zwingt die Kasse zu einer Reaktion und gibt Ihnen zusätzliche Sicherheit. Lassen Sie sich nicht von telefonischen Rückwerbeversuchen verunsichern. Ihre schriftliche Kündigung ist bindend.
Der Moment, in dem Sie das Einschreiben am Postschalter aufgeben, ist ein symbolischer Akt der Rückgewinnung Ihrer Kontrolle. Es ist der definitive Schritt weg von der passiven Hinnahme hin zur aktiven Gestaltung Ihrer Finanzen.

Beachten Sie, dass die neue Krankenkasse die Aufnahme in die obligatorische Grundversicherung nicht verweigern darf. Sie müssen also nicht auf eine Aufnahmebestätigung warten, bevor Sie kündigen. Der lückenlose Versicherungsschutz in der Schweiz ist gesetzlich garantiert, solange Sie sich rechtzeitig bei einer neuen Kasse angemeldet haben.
Günstigste Prämie oder schneller Service: Was zählt wirklich im Krankheitsfall?
Es ist die Gretchenfrage beim Kassenwechsel: Soll ich die absolut billigste Prämie wählen oder doch lieber ein paar Franken mehr für vermeintlich besseren Service in Kauf nehmen? Die Antwort ist nicht pauschal, sondern hängt stark von Ihrer persönlichen Situation und Ihren Erwartungen ab. Die „Service-Illusion“ ist weit verbreitet – die Annahme, dass eine höhere Prämie automatisch eine bessere Betreuung garantiert. Doch die Realität ist oft komplizierter. Die Kosten im Gesundheitswesen steigen unaufhaltsam, was sich in einer Kostensteigerung von 4,8% pro Versicherten allein in den ersten Monaten von 2024 zeigt und den Druck erhöht, primär auf den Preis zu achten.
Eine günstige Kasse kann Ihnen pro Jahr mehrere hundert Franken sparen. Dieses Geld ist in Ihrer Tasche definitiv besser aufgehoben. Der Nachteil: Sie müssen möglicherweise längere Rückerstattungszeiten in Kauf nehmen und sich mit einem simplen Online-Portal begnügen. Eine service-orientierte Kasse lockt hingegen mit schnellen Auszahlungen, einer modernen App zum Scannen von Rechnungen und besser erreichbaren Hotlines. Dieser Komfort hat seinen Preis. Im Krankheitsfall kann eine schnelle und unkomplizierte Abwicklung Gold wert sein. Wenn Sie jedoch selten zum Arzt gehen und finanziell flexibel genug sind, um Arztrechnungen vorzustrecken, ist der teurere Service möglicherweise ein Luxus, den Sie sich sparen können.
Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse von SRF Kassensturz, verdeutlicht die typischen Unterschiede:
| Kriterium | Günstige Kasse | Service-orientierte Kasse |
|---|---|---|
| Monatsprämie (Beispiel) | 320 CHF | 370 CHF |
| Rückerstattungsdauer | 3-4 Wochen | 5-10 Tage |
| Digitale Services | Basis-Portal | App mit Scan-Funktion |
| Erreichbarkeit Hotline | Bürozeiten | Erweiterte Zeiten |
Ihre Entscheidungsgrundlage sollte eine ehrliche Selbsteinschätzung sein: Wie wichtig ist Ihnen digitale Bequemlichkeit? Wie oft benötigen Sie tatsächlich den Kundendienst? Und wie stark belastet es Sie, wenn Sie mehrere Wochen auf eine Rückerstattung warten müssen? Oft ist der Ärger über eine hohe Prämie am Ende des Jahres grösser als der seltene Ärger über eine langsame Verwaltung.
Das Risiko, beim Wechsel der Grundversicherung versehentlich die Zusatzversicherung zu verlieren
Es ist die grösste Angst vieler wechselwilliger Versicherter und ein häufiger Grund für die „administrative Trägheit“: die Sorge, bei der Kündigung der Grundversicherung ungewollt auch die wertvolle Zusatzversicherung zu verlieren. Diese Angst ist nicht unbegründet, aber mit dem richtigen Wissen leicht zu bannen. Das Wichtigste zuerst: Grund- und Zusatzversicherungen sind zwei separate Verträge, selbst wenn sie bei derselben Gesellschaft laufen. Eine Kasse darf Ihnen die Zusatzversicherung nicht kündigen, nur weil Sie die Grundversicherung bei einem anderen Anbieter abschliessen.
Die Gefahr liegt im Detail der Kündigung. Wenn Sie in Ihrem Kündigungsschreiben pauschal „alle meine Versicherungen“ oder „meinen Versicherungsvertrag“ kündigen, interpretiert die Kasse dies möglicherweise als Kündigung beider Teile. Dies kann katastrophale Folgen haben, da Sie für eine neue Zusatzversicherung eine Gesundheitsprüfung ablegen müssen. Mit zunehmendem Alter oder nach einer Erkrankung kann eine Neuaufnahme schwierig oder sogar unmöglich werden. Der Schutz, den Sie sich über Jahre aufgebaut haben, wäre verloren.
Um dieses Risiko auszuschliessen, müssen Sie in Ihrer Kündigung explizit und unmissverständlich formulieren. Der entscheidende Satz lautet: „Diese Kündigung betrifft ausschliesslich die obligatorische Krankenpflegeversicherung (Grundversicherung) gemäss KVG.“ Ergänzen Sie dies mit den Namen und Versichertennummern aller Personen, deren Grundversicherung gekündigt werden soll. So stellen Sie klar, dass alle bestehenden Zusatzversicherungen (VVG) beim alten Anbieter weiterlaufen sollen. Fordern Sie auch hier eine schriftliche Bestätigung, dass die Zusatzversicherungen von der Kündigung unberührt bleiben. Diese Klarheit ist Ihr bester Schutz gegen Missverständnisse und administrative Fehler.
Wie kombinieren Sie die günstigste Grundversicherung mit der besten Zusatzversicherung bei zwei Anbietern?
Die strategische Trennung von Grund- und Zusatzversicherung bei zwei verschiedenen Anbietern ist der Königsweg für kostenbewusste und anspruchsvolle Versicherte. Diese als „Splitting“ bekannte Methode erlaubt es Ihnen, das Beste aus beiden Welten zu vereinen: Sie wählen die günstigste Grundversicherung auf dem Markt und kombinieren sie mit der leistungsstärksten Zusatzversicherung, die genau auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist – sei es für Alternativmedizin, Zahnbehandlungen oder private Spitalabdeckung. Sie sind nicht länger an das oft mittelmässige und überteuerte Gesamtpaket eines einzigen Anbieters gebunden.
Der finanzielle Vorteil kann erheblich sein. Während Sie bei der Grundversicherung jährlich mehrere hundert Franken sparen, sichern Sie sich bei der Zusatzversicherung genau die Deckungen, die Sie wirklich benötigen, oft zu besseren Konditionen als im Kombi-Paket. Dieser System-Schachzug gibt Ihnen maximale Flexibilität und Kontrolle. Sie können jedes Jahr die Grundversicherung neu evaluieren und wechseln, ohne Ihre mühsam erworbene Zusatzversicherung mit ihren über die Jahre erworbenen Rechten zu gefährden.
Allerdings hat diese Strategie auch einen Preis: einen höheren administrativen Aufwand. Sie müssen mit zwei Ansprechpartnern, zwei Kundenportalen oder Apps und zwei separaten Abrechnungsprozessen jonglieren. Arztrechnungen, die sowohl Grund- als auch Zusatzleistungen enthalten, müssen Sie möglicherweise zuerst bei der einen und dann bei der anderen Kasse einreichen. Dies erfordert Disziplin und eine gute Organisation. Wägen Sie daher sorgfältig ab: Ist Ihnen die finanzielle Ersparnis und die bessere Leistung den zusätzlichen Aufwand wert? Für viele, die bereit sind, sich kurz einzuarbeiten, lautet die Antwort klar „Ja“. Es ist ein kleiner Preis für die grosse finanzielle und leistungstechnische Optimierung.
Wie timen Sie den Vergleich, um nicht in der automatischen Vertragsverlängerung festzustecken?
Der Herbst ist die heisse Phase für den Krankenkassenwechsel. Wer die Fristen verpasst, steckt ein weiteres Jahr im alten, oft teureren Vertrag fest. Die automatische Vertragsverlängerung ist die grösste Profitquelle der Versicherer, die auf die Trägheit der Kunden setzen. Ein präziser Zeitplan ist daher Ihr wichtigstes Werkzeug, um dem System ein Schnippchen zu schlagen und Ihre Wahlfreiheit zu nutzen. Handeln Sie nicht überstürzt, aber auch nicht zu spät. Die entscheidenden Wochen liegen zwischen Ende September und Mitte November.
Der Startschuss für den Vergleich fällt Ende September, wenn das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die genehmigten Prämien für alle Krankenkassen für das Folgejahr veröffentlicht. Ab diesem Moment sind die Würfel gefallen und Sie können auf den offiziellen Vergleichsportalen wie Priminfo (dem Portal des Bundes) oder privaten Anbietern die neuen, konkreten Zahlen vergleichen. Spätestens bis zum 31. Oktober muss Ihr aktueller Versicherer Ihnen die neue Police für das kommende Jahr zugestellt haben. Nun haben Sie schwarz auf weiss, wie viel mehr Sie zahlen sollen, und können dies direkt mit den Angeboten der Konkurrenz vergleichen. Der November ist der Monat der Entscheidung. Nehmen Sie sich in den ersten beiden Wochen Zeit, um die Angebote final zu prüfen und eine neue Versicherung auszuwählen, bevor Sie die Kündigung abschicken.
Ihr Zeitplan zum erfolgreichen Kassenwechsel
- Ende September: Starten Sie Ihren Vergleich, sobald das BAG die neuen Prämien für das Folgejahr veröffentlicht hat.
- Oktober: Analysieren Sie die neuen Prämien aller Anbieter und vergleichen Sie diese mit Ihrer alten Police.
- Bis 31. Oktober: Überprüfen Sie die neue Prämienrechnung, die Sie von Ihrem aktuellen Versicherer erhalten müssen.
- 1. bis 15. November: Treffen Sie Ihre endgültige Entscheidung, wählen Sie eine neue Versicherung aus und füllen Sie den Antrag aus.
- Spätestens 15. November: Versenden Sie Ihr Kündigungsschreiben per Einschreiben an die alte Kasse, um den rechtzeitigen Eingang vor der Frist am 30. November sicherzustellen.
Dieser Fahrplan verhindert, dass Sie unter Zeitdruck geraten und eine schlechte Entscheidung treffen. Markieren Sie sich diese Daten fett im Kalender. Es ist Ihr Weg aus der Prämien-Falle.
Wie ändern Sie Ihre Franchise online, ohne die Frist im Dezember zu verpassen?
Nicht nur der Kassenwechsel, auch die Anpassung Ihrer Franchise kann erhebliches Sparpotenzial freisetzen. Doch auch hier lauern Fristen, deren Missachtung teuer werden kann. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer Erhöhung und einer Senkung der Franchise. Wenn Sie Ihre Franchise für das kommende Jahr erhöhen möchten (z.B. von 300 auf 2500 Franken), haben Sie bis zum 31. Dezember Zeit. Die Mitteilung muss am letzten Arbeitstag des Jahres bei der Kasse eintreffen. Dies gibt Ihnen mehr Flexibilität, falls Sie den Kassenwechsel verpasst haben, aber dennoch Ihre Prämie senken wollen.
Deutlich strenger ist die Frist, wenn Sie Ihre Franchise senken möchten. Dies ist oft der Fall, wenn eine grössere Behandlung ansteht oder sich die gesundheitliche Situation ändert. Hier gilt dieselbe Frist wie für die Kündigung der Grundversicherung: Ihre Mitteilung muss bis zum 30. November bei der Kasse eingegangen sein. Dasselbe gilt für den Wechsel in ein Sparmodell wie Telmed oder HMO. Viele Versicherer bieten heute die Möglichkeit, solche Änderungen bequem im Online-Kundenportal vorzunehmen. Das ist praktisch, birgt aber eine Tücke: Beweissicherheit. Eine automatische Eingangsbestätigung per E-Mail ist oft kein rechtsgültiger Beweis für eine Vertragsänderung. Der Beobachter rät daher dringend, bei Online-Änderungen stets Screenshots des gesamten Prozesses und der finalen Bestätigungsseite zu machen. Speichern Sie diese zusammen mit der Bestätigungs-E-Mail sorgfältig ab und fordern Sie zusätzlich eine schriftliche Vertragsanpassung per Post an.
Die unterschiedlichen Fristen sind entscheidend für Ihre Planung. Die folgende Tabelle gibt Ihnen den Überblick:
| Änderung | Frist | Eingang beim Versicherer |
|---|---|---|
| Franchise senken | 30. November | Letzter Arbeitstag November |
| Franchise erhöhen | 31. Dezember | Letzter Arbeitstag Dezember |
| Modellwechsel zu Telmed/HMO | 30. November | Letzter Arbeitstag November |
| Wechsel zum Standardmodell | Jederzeit möglich | Jederzeit möglich |
Diese Fristen zu kennen, gibt Ihnen zusätzliche strategische Hebel in die Hand, um Ihre Gesundheitskosten aktiv zu steuern, selbst wenn Sie bei Ihrer aktuellen Kasse bleiben.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Preisunterschied für dieselbe Leistung ist enorm; Vergleichen ist Pflicht.
- Die Kündigung muss bis zum 30.11. eintreffen (Einschreiben!); das Poststempel-Datum zählt nicht.
- Trennen Sie Grund- und Zusatzversicherung strategisch, aber kommunizieren Sie es glasklar, um Verluste zu vermeiden.
Wie berechnen Sie, ob sich die Franchise 300 oder 2500 CHF für Sie wirklich lohnt?
Die Wahl der richtigen Franchise ist einer der grössten Hebel, um Ihre Prämie zu senken. Die höchste Franchise von 2500 Franken lockt mit dem maximalen Prämienrabatt, birgt aber das Risiko hoher Kosten im Krankheitsfall. Die tiefste Franchise von 300 Franken bietet Sicherheit, kommt Sie aber mit einer hohen monatlichen Prämie teuer zu stehen. Die Entscheidung ist eine Wette auf die eigene Gesundheit. Doch Sie können diese Wette mit einer kühlen Berechnung statt mit einem Bauchgefühl eingehen. Eine Faustregel, basierend auf einer Analyse der Berner Fachhochschule, besagt, dass sich die höchste Franchise bei jährlichen Gesundheitskosten von unter 1’900 Franken meistens auszahlt. Liegen Ihre erwarteten Kosten darüber, ist die tiefste Franchise oft die günstigere Wahl.
Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, gehen Sie systematisch vor. Analysieren Sie als Erstes Ihre Gesundheitskosten der letzten drei Jahre. Wie oft waren Sie beim Arzt? Welche Medikamente nehmen Sie regelmässig? Dies gibt Ihnen eine solide Basis für die Einschätzung zukünftiger Kosten. Nutzen Sie danach den offiziellen Franchisenrechner des Bundes (Priminfo), um verschiedene Szenarien durchzuspielen. Berücksichtigen Sie aber auch Ihre Lebensphase: Planen Sie eine Familie? Steht eine Operation an? Leiden Sie an einer chronischen Krankheit? In solchen Fällen ist eine niedrige Franchise meist die sicherere Wahl.
Der entscheidende Punkt ist jedoch Ihre finanzielle Situation. Die maximale jährliche Ersparnis mit der höchsten Franchise beträgt rund 1540 Franken. Können Sie im schlimmsten Fall die Franchise von 2500 Franken plus den Selbstbehalt von 700 Franken, also insgesamt 3200 Franken, auf einen Schlag bezahlen? Nur wenn Sie diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten können und über eine entsprechende finanzielle Reserve verfügen, ist die hohe Franchise eine vernünftige Option. Ein cleverer Trick: Legen Sie die monatliche Prämienersparnis auf ein separates Sparkonto. So bauen Sie über das Jahr genau den Puffer auf, den Sie im Krankheitsfall benötigen.
Jetzt sind Sie am Zug. Warten Sie nicht auf die nächste Prämienerhöhung und das Gefühl der Ohnmacht. Nutzen Sie dieses Wissen als Ihr schärfstes Schwert im Kampf gegen steigende Kosten. Analysieren Sie Ihre Situation, befolgen Sie den Zeitplan und treffen Sie eine bewusste, strategische Entscheidung. Fordern Sie jetzt eine unverbindliche Analyse an, um die für Sie beste und fairste Lösung zu finden und Hunderte von Franken zu sparen.
Häufige Fragen zum Krankenkassenwechsel
Ist es komplizierter, zwei verschiedene Versicherer zu haben?
Ja, Sie haben zwei Apps, zwei Rechnungen und zwei Ansprechpartner. Der administrative Aufwand ist höher, kann sich aber finanziell lohnen, da Sie die jeweils günstigste oder leistungsstärkste Option wählen können.
Kann der Versicherer meine Zusatzversicherung kündigen, wenn ich die Grundversicherung wechsle?
Nein, der Versicherer darf Ihnen die Zusatzversicherung nicht kündigen, nur weil Sie die Grundversicherung wechseln. Es handelt sich um zwei separate Verträge. Sie müssen in der Kündigung jedoch klarstellen, dass nur die Grundversicherung betroffen ist.
Wie funktioniert die Abrechnung bei zwei Versicherern?
Sie reichen Rechnungen je nach Leistungsart beim entsprechenden Versicherer ein. Leistungen aus der Grundversicherung (z.B. Arztbesuch) gehen an die Grundversicherung, während Leistungen aus der Zusatzversicherung (z.B. Alternativmedizin) bei der Zusatzversicherung eingereicht werden.